#UKAPflege: Die Allround-Talente im OP

Das erste Mal ein offenes Herz zu sehen, das nach erfolgreicher Anlage eines Koronararterienbypasses wieder anfängt zu schlagen, „ist schon beeindruckend und faszinierend zugleich“, erzählt Julius König. Der 22-Jährige macht eine Ausbildung zum Operationstechnischen Assistenten (OTA) an der Uniklinik RWTH Aachen. Wenn andere ihn nach seinem Beruf fragen, muss er oft erklären, was ein OTA überhaupt macht, denn das Berufsbild ist für viele noch weitgehend unbekannt.

Teamplayer, Organisationstalent, Sicherheitsexperte und helfende Hand: Operationstechnische Assistentinnen und Assistenten (OTA) sind als „Allroundtalente“ mitverantwortlich für den reibungslosen Ablauf der OP. Sie assistieren den Chirurgen, reichen die Instrumente an, sorgen für Sterilität, prüfen und bedienen technische Geräte. OTA zeichnen sich nicht nur durch physische sowie psychische Belastbarkeit, Verantwortungsbewusstsein und technisches Verständnis aus, sondern ebenso durch die Fähigkeit im Team zu arbeiten und emphatisch mit dem Patienten zu interagieren. „Und manchmal braucht man auch starke Nerven und ein dickes Fell“, weiß Julius.

Fachlicher und seelischer Beistand

„Die Dankbarkeit der Leute ist der schönste Lohn“, sagt Julius (22 Jahre), Schüler zum Operationstechnischen Assistenten (Zentral-OP).

Julius‘ Arbeit beginnt bereits vor dem eigentlichen Eingriff. In seinen Verantwortungsbereich fällt die Vorbereitung und Bereitstellung des für die jeweilige Operation benötigten OP-Equipments unter Berücksichtigung der individuellen Arbeitsweise des einzelnen Operateurs. Weiterhin betreut er die Patienten beim Einschleusen in den OP – das bedeutet auch, auf Ängste einzugehen und beruhigend auf die Patienten einzuwirken. Daher spielen nicht nur innerhalb des Teams Kommunikationsfähigkeit und Empathie eine entscheidende Rolle. „Viele Patienten haben Angst vor einer Operation. Wir finden dann die richtigen Worte, um sie zu beruhigen“, so der junge OTA-Schüler. Aber auch eine gute körperliche Konstitution ist gefragt. Wer bei einer Operation assistiert, arbeitet überwiegend im Stehen. „Einige Eingriffe können schon mal mehrere Stunden dauern. Eine kurze Pause, um etwas zu essen oder auf die Toilette zu gehen, ist da nicht immer drin“, sagt Julius.

Cool bleiben

Hochkonzentriert arbeiten OTA Hand in Hand mit dem Chirurgen. Es kann durchaus passieren, dass der Umgangston gerade in schwierigen und hektischen Situationen mal etwas rauer wird. „Wer denkt, im OP gehe es locker zu, wird sich wundern. Manchmal bekommt man die Ungeduld oder den Stress des Arztes zu spüren. Kritik sollte man hier nicht persönlich nehmen, sondern versuchen, sie konstruktiv umzusetzen und einen kühlen Kopf zu bewahren“, erzählt der Auszubildende und empfiehlt, vor Beginn der Ausbildung ein Praktikum zu machen, um die Atmosphäre im OP kennenzulernen.

Springen und instrumentieren

Die Arbeit im Operationssaal bleibt stets abwechslungsreich, „jeder Eingriff ist eine neue Herausforderung“, so Julius. Die Hauptaufgaben des Operationstechnischen Assistenten gliedern sich in nicht-sterile, springende und sterile, instrumentierende Tätigkeiten. Der „instrumentierende OTA“ reicht dem Chirurgen das notwendige Besteck wie Skalpell, Pinzette und Schere an, montiert komplexe Geräte am Tisch und überprüft diese auf ihre Funktion. Die hohe Kunst beim Instrumentieren besteht jedoch darin, den Verlauf der Operation zu kennen und im Voraus zu wissen, welches Instrument der Operateur benötigen wird.

Hier muss jeder Handgriff sitzen: Die hohe Kunst beim Instrumentieren besteht darin, den Verlauf der Operation zu kennen und im Voraus zu wissen, welches Instrument der Operateur benötigen wird.

Der „Springer“ hingegen arbeitet im Hintergrund und ist neben dem Dokumentieren in der Patientenakte für die Bereitstellung zusätzlicher Geräte, das Anreichen weiterer Hilfsmittel sowie für das Entgegennehmen von Untersuchungsmaterialien zuständig. „Wir arbeiten sehr gewissenhaft, denn die Einhaltung der Hygienevorschriften ist das A und O“, betont der OTA-Schüler. Beim Reichen der Instrumente überprüfen und dokumentieren OTA in OP-Checklisten zwischendurch immer wieder die Anzahl der verwendeten Materialien, „das ist nur eine von vielen Sicherheitsmaßnahmen“, erklärt er.

Zwischen Leben und Tod

Arbeiten im OP bedeutet Teamarbeit mit unterschiedlichen Berufsgruppen. Im Mittelpunkt stehen immer der Patient und seine Gesundheit. „Ich kann mir nichts Besseres vorstellen, als Menschen zu helfen und aktiv zu ihrer Gesundheit beizutragen. Durch einen operativen Eingriff geben wir den Patienten oftmals Lebensqualität zurück. Die Dankbarkeit der Leute ist der schönste Lohn“, schwärmt Julius von seiner Arbeit. Doch ab und an kämpft das Team zwischen Leben und Tod, beispielweise bei der operativen Versorgung schwerstverletzter Patienten. „Solche dramatischen Momente gehören zu unserem Beruf dazu.“ Nach belastenden Erlebnissen im OP bietet sich die Interne Supervision an, um die Ereignisse in persönlichen Gesprächen zu verarbeiten.

Traumjob gefunden

Schon als Teenager wusste Julius, dass er später im medizinischen Bereich arbeiten möchte. Aus einer Medizinerfamilie stammend, konnte er schon frühzeitig durch Praktika Krankenhausluft schnuppern und verschiedene Berufsmöglichkeiten und Bereiche kennenlernen. Als OTA hat Julius seinen Traumjob gefunden. Und langweilig wird ihm im OP ganz bestimmt nicht: „Es ist ein anspruchsvoller Job, bei dem man nie auslernt und sich immer weiterbildet – nach dem neuesten Stand der Technik“, so Julius.

 

Über die Ausbildung:
Bei der dreijährigen Ausbildung zum/zur OTA wechseln sich praktische Phasen in der Uniklinik RWTH Aachen mit Theorieunterricht am Luisenhospital Aachen oder an der Akademie für Gesundheitsberufe Mönchengladbach ab. Neben Grundlagenfächern wie Anatomie oder Hygiene liegt der Schwerpunkt auf der Chirurgie. In 1.600 theoretischen und mindestens 3.000 praktischen Stunden erlernen die Schüler unter anderem Schritt für Schritt, wie man Patienten richtig lagert, Materialien und Geräte kontrolliert und wie Instrumente desinfiziert und verpackt werden. Zudem erhalten angehende OTA Einblick in die verschiedenen Fachdisziplinen. Dazu gehören zum Beispiel die Viszerale Chirurgie, die Traumatologie und Orthopädie, die Gynäkologie oder Urologie und die Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie. Zudem durchlaufen sie verschiedene Funktionsbereiche wie Endoskopie, Station und Zentralsterilisation sowie Notaufnahme. Damit sind die OTA-Auszubildenden perfekt gerüstet für den Einstieg in das Berufs­leben – in einem vielversprechenden und modernen Arbeitsplatz mit zukunftssicheren Perspektiven.



Weitere Infos zur OTA-Ausbildung gibt es auf www.pflege.ukaachen.de. Hier ist auch ein weiteres, spannendes Berufsfeld zu finden: die Anästhesietechnische Assistenz (ATA).