Lagerung von Arzneimittlen: ein Risiko?

Von Medikamenten erwarten wir, dass sie sicher und zu-verlässig wirken. Sie zu bekommen, ist jedoch keine Garantie dafür, dass es uns besser geht. Denn auf die richtige Dosierung und Lagerung kommt es an, um die Qualität von Arzneimitteln zu erhalten.

Die korrekte Anwendung ist wichtig für die Wirksamkeit, doch jeder Arzneistoff ist auch unterschiedlich empfi ndlich gegenüber äußeren Einfl üssen wie Kälte, Wärme, Feuchtigkeit oder Licht, die es bei der Aufbewahrung zu berücksichtigen gilt. „Damit die Arzneimittel bis zum Ablauf des Verfallsdatums qualitativ einwandfrei bleiben und auch effektiv wirken, spielt die Lagerung eine entscheidende Rolle. Grundsätzlich sollten Medikamente dunkel, trocken, vor Hitze geschützt und eher kühl aufbewahrt werden. Einige gehören sogar in den Kühlschrank”, sagt Dr. rer. nat. Albrecht Eisert, Chefapotheker an der Uniklinik RWTH Aachen.

Immer den Beipackzettel lesen

Bevor Arzneimittel in die Schublade oder in den Medizinschrank wandern, sollten Sie sich zuerst die Verpackung genauer anschauen. Meist finden Sie schon hier wichtige Hinweise zur Aufbewahrung. Wenn nicht, gibt die Packungsbeilage Aufschluss über die korrekte Lagerung des Medikaments. „Steht lediglich drin, dass die Medikamente außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden müssen, ist in der Regel die Lagerung bei Zimmertemperatur möglich”, so der Chefapo-theker. Gilt es besondere Regeln zu beachten, sind diese auf der Verpackung oder eben im Beipackzettel zu finden. „Daher sollten Sie möglichst immer die Originalverpackungen aufbewahren und die Packungsbeilage niemals wegschmeißen. Diese enthalten neben den Lagerungshinweisen schließlich auch wichtige Informationen zur Einnahme, zu Nebenwirkungen und zum Verfallsdatum”, betont Dr. Eisert. Außerdem sollte man die Arzneimittel unbedingt verschlossen in einem Schrank ohne Glastür lagern.

Im Gemüsefach herrschen ideale Temperaturen

Bei welchen Temperaturen Arzneimittel zu lagern sind, steht in der Regel im Beipackzettel. Die Angabe „Im Kühlschrank lagern” bedeutet, dass das Präparat konstant zwischen zwei bis acht Grad Celsius aufbewahrt werden sollte. „Idealerweise bewahrt man Arzneimittel, die in den Kühlschrank gehören, im Gemüsefach auf. Denn dort herrscht die optimale Temperatur”, weiß Dr. Eisert. In den Fächern der Kühlschranktür hingegen herrscht durch das ständige Öffnen keine gleichmäßig kühle Temperatur. Auch die Kühlschrankrückwand ist keine Option. Sie könnte das Medikament einfrieren, wodurch es an Wirksamkeit verlieren kann.
Werden Medikamente zu warm gelagert, können sie ebenfalls an Wirkung verlieren, ohne dass der Patient es bemerkt. „Die Arzneimitteltherapie kann dann nicht mehr anschlagen. Bei lebenswichtigen Medikamenten ist das natürlich nicht nur ärgerlich, sondern auch bedrohlich”, so der Experte.

Was kommt in den Kühlschrank?

In den Kühlschrank gehören alle Medikamente, die aus eiweißartigen Substanzen bestehen, wie zum Beispiel Insuline. „Dies gilt jedoch lediglich für nicht angebrochene Vorräte”, ergänzt der Apotheker. Auch einige Antibiotika-Säfte, Impfstoffe sowie Augentropfen und -salben gehören in den Kühlschrank. Hierbei ist zwingend zu beachten, dass angebrochene Tropfen, Salben und Säfte trotz Kühlschranklagerung nur zeitlich begrenzt anwendbar sind. „Daher ist es wichtig, sich das Öffnungsdatum zu notieren. Am besten direkt auf der Medikamentenverpackung.” Außerdem müssen viele der sogenannten Biologicals, die beispielsweise gegen Krebserkrankungen oder Rheuma eingesetzt werden, dauerhaft gekühlt werden.
Arzneimittel, die abgelaufen oder sich zum Beispiel durch starke Erhitzung verändert haben, könnten durch veränderten Geruch, aufgeblähte Verpackungen, getrübte Flüssigkeiten, Risse oder Verfärbungen bei Tabletten, Dragees oder Zäpfchen sowie durch Verflüssigung oder Verfärbung von Cremes und Salben auffallen. „Sollten Sie unsicher sein, wie bestimmte Medikamente aufbewahrt oder auf Reisen am besten transportiert werden, fragen Sie ruhig bei Ihrem Arzt und Apotheker nach”, empfi ehlt Dr. Eisert.


Lagerungshinweise

  • Nicht über 25 Grad lagern
    Das Medikament am besten zwischen 15 und 25 Grad lagern. Diese Temperaturen sind meist im Schlafzimmer oder Flur gegeben, da diese Räumlichkeiten oft nicht stark beheizt werden. Bitte nicht im Badezimmer lagern, da zu große Temperatur und Feuch-tigkeitsschwankungen auftreten.
  • Medikament im Kühlschrank aufbewahren
    Wenn Arzneimittel im Kühlschrank aufbewahrt werden müssen, dann sind damit Tem-peraturen zwischen zwei und acht Grad gemeint. Legen Sie Ihre Medikamente am besten ins Gemüsefach. Dort herrscht die ideale Temperatur.
  • Medikamente sollten für Kinder unerreichbar sein
  • Medikamente nicht im Auto liegen lassen oder großer Hitze oder direktem Sonnenlicht aussetzen

Regelmäßige Kontrolle

Es ist wichtig, regelmäßig den Medikamentenschrank aufzuräumen und verfallene Medikamente direkt zu entsorgen.

Anzeichen für abgelaufene Arzneimittel:

• aufgeblähte Verpackung
• Trübung der Flüssigkeit
• Risse/Verfärbungen bei Tabletten, Dragees und Zäpfchen
• Verfärbung/Verfl üssigung von Salben, Cremes, Gelen