#UKAPflege: Vielfältige Pflege zwischen Leben und Tod

Für Joia Holly ist es immer wieder erstaunlich, wie schnell sich der Gesundheitszustand von Patienten auch nach schweren Erkrankungen verbessern kann. „Daran mitzuwirken ist eine Ehre und gleichzeitig sehr erfüllend“, sagt die 24-Jährige. Sie ist Pflegekraft auf der Normalstation der Klinik für Neurologie der Uniklinik RWTH Aachen und betreut vor allem Schlaganfallpatienten.

Nach der akuten Erstversorgung auf einer speziellen Schlaganfallstation werden die Betroffenen hier weiter therapiert und auf die anstehende Reha vorbereitet. „Meist sind die Leute eingeschränkt, haben Lähmungen auf einer Körperseite oder können nicht mehr richtig sprechen“, erklärt Joia. „Als Pflegekraft ist es meine Aufgabe, – neben der normalen Pflege wie Waschen, Medikamente verabreichen und lagern – auch eine spezielle Förderung und Unterstützung anzubieten.“

Pflege und Zuwendung

Diese Art Frührehabilitation besteht darin, die Patienten zur Bewegung anzuregen, sie so zu lagern, dass die betroffenen Körperteile angesprochen werden oder auch ganz einfach aus Zuwendung und vielen Gesprächen. Letztere sind nicht nur für die Patienten selbst wichtig, sondern auch für ihre Angehörigen.

„Wir geben den Menschen die Zeit, die sie brauchen“, sagt Joia (24 Jahre), Gesundheits- und Krankenpflegerin (Klinik für Neurologie).

Dazu führen Joia und ihre Kolleginnen und Kollegen ganz sachliche Informationsgespräche, nehmen sich aber auch Zeit, zuzuhören, den Menschen ihre Ängste zu nehmen und ihnen nach diesem Schicksalsschlag Mut zu machen. „Wir haben viele verschiedene Möglichkeiten, den Zustand unserer Patienten zu verbessern. Und die Erfolge dieser Arbeit dann tatsächlich auch zu sehen, ist sehr schön und gibt einem ein gutes Gefühl“, erzählt sie.

Vertrauensvolle Zusammenarbeit auf der Station

Seit eineinhalb Jahren ist Joia auf der Station, kam gleich nach ihrer Ausbildung – ebenfalls in der Uniklinik – hierher. „Die Teamarbeit ist toll, die Arbeit mit den Ärzten und anderen Berufsgruppen wie Physiotherapeuten, Logopäden oder Psychologen sehr vertrauensvoll und das Verhältnis zu den Kollegen freundschaftlich“, erklärt die junge Frau weiter. „Das macht viel aus, vor allem, wenn es öfter mal stressig wird.“

„Wir sind einfach da“

Neben den klassischen Pflegetätigkeiten ist die Nähe und spezielle Förderung der Patienten auf der neurologischen Station besonders wichtig.

Neben den Patienten, die einen Schlaganfall gut überstehen und die Klinik in Richtung Reha wieder verlassen können, gibt es natürlich auch die, die nicht so viel Glück haben. „Da viele neurologische Erkrankungen Alters­erkrankungen sind und die Patientenklientel daher in der Regel betagt ist, gibt es auf unserer Station verglichen mit manch anderer Fachrichtung schon einige Sterbefälle“, erzählt die Pflegekraft. „Diese Menschen in den Tod zu begleiten, ist daher auch eine wichtige Aufgabe, die einen ebenso erfüllen kann, wie den Patienten zurück ins Leben zu helfen.“

Joia macht das, indem sie Patienten und Angehörigen zeigt, dass sie nicht alleine sind. „Wir sind einfach da und tun den Menschen gut. Durch liebevolle Pflege, nette Worte und kleine Taten, die für einen Sterbenden manchmal sehr wertvoll sind“, sagt sie.

„Diese Art von Pflege ist sehr schön. Sie ist ruhig und wir geben den Menschen die Zeit, die sie brauchen. Auch das ist neben all der Hektik und Betriebsamkeit einer großen Universitätsklinik möglich und bei uns auch selbstverständlich.“ Zudem sei die Zusammenarbeit mit der Klinik für Palliativmedizin in diesen Fällen sehr intensiv und die fachübergreifende Arbeit spannend und fruchtbar.

Ein Geben und Nehmen

So ist es die Vielfalt der Pflege zwischen „kurz vor dem Tod“ und „auf dem Weg zurück ins Leben“, die Joia besonders reizt. „Auch, wenn man viel geben muss und die Rahmenbedingungen in der Pflege oft nicht leicht sind; man bekommt eben auch sehr viel zurück“, sagt sie. „Egal, wie es um sie steht, die meisten Patienten sind sehr freundlich und nehmen unsere Hilfe dankbar an. Am Ende das Tages weiß man, wofür man gearbeitet hat. Das macht diesen Beruf aus.“



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