Geht’s auch pflanzlich?

Vegetarisch liegt im Trend, vegan ist Lifestyle. Aber ist diese Form der Ernährung auch gesund?

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Der Durchschnittsdeutsche ist ein Fleischliebhaber: Er verzehrt 150 Gramm Fleisch und Wurst – pro Tag. Mittlerweile gibt es hierzulande aber auch fast eine Million Menschen, die es anders halten: Sie sind Veganer. Während Vegetarier kein Fleisch und keinen Fisch essen, gehen Veganer noch einen Schritt weiter: Sie verzichten auf alle tierischen Produkte.

Dieser Verzicht ist für die Mehrheit der Veganer seit jeher eine Gewissensentscheidung. Bislang. Die Kochbücher „Vegan for Youth” und „Vegan for Fun” von Attila Hildmann avancierten nicht nur binnen kurzer Zeit mit über 750.000 Exemplaren zum Bestseller, sie lockten auch mit dem Versprechen, dass Veganer keine dürren, kränklichen Genussver-weigerer sind, sondern länger jung bleiben und seltener krank werden. Darüber hinaus gilt vegane Ernährung als ethisch sauber, als natürlich und gesund. Wo ganzjährig das volle Programm an Gemüse, Obst, Getreide, Nüssen, Samen, Hülsenfrüchten und den klassischen veganen Eiweißquellen Seitan und Tofu erhältlich ist, erfordert tierfreie Ernährung nicht mal großen Aufwand. Sie kann sogar recht günstig sein. Aber: Ist das automatisch auch gesünder?

Wichtig: Blutwerte im Blick halten

Ob Vegan gesund ist, hängt immer auch von den Umständen und den jeweiligen Produkten ab, die konsumiert werden. Grundsätzlich gilt: Bei einer rein veganen Ernährung kann es zu einer Unterversorgung und zu Mangelerscheinungen kommen. Gefährdet sind vor allem Schwangere, Stillende, Säuglinge, Kinder und Jugendliche, die ohne umfassende ärztliche Abklärung nicht über längere Zeit vegan leben sollten. Birgit Tollkühn-Prott, Ernährungsberaterin an der Uniklinik RWTH Aachen, rät deshalb, jährlich eine Blutuntersuchung zu machen, um Mangelerscheinungen rechtzeitig zu erkennen und auszugleichen: „Wenn Sie sich als Erwachsener dazu entschlossen haben, vegan zu leben, sollten Sie nach einiger Zeit durch einen Besuch beim Arzt sicherstellen lassen, dass sich Ihre Vitamin- und Mineralstoffversorgung im grünen Bereich befindet”, erklärt die Fachfrau. Vor allem Proteine, Eisen, Calcium, Jod, Zink, Vitamin B2 (Riboflavin), Vitamin B12 (Cobalamin) und Vitamin D können fehlen.

Um gesund zu bleiben, müssen Veganer auf eine ausgewogene Ernährung achten.

Gewohnheitstiere? Vorteile der veganen Ernährung

Sich von tierischen Produkten zu verabschieden, ist auch eine Gewohnheitsfrage. Umgekehrt zeigen Studien, dass typische Zivilisationskrankheiten bei Veganern seltener auftreten als bei der Durchschnittsbevölkerung. Sie leiden nicht so oft an Übergewicht und Bluthochdruck und haben, nicht zuletzt aufgrund ihrer fett- und cholesterinarmen Nahrung, in der Regel gute Blutfettwerte. Doch um gesund zu bleiben, müssen Veganer auf eine ausgewogene Ernährung achten. Das bedeutet vor allem viel Obst und Gemüse, Hülsen früchte sowie Vollkorn- und Sojaprodukte. Auch Samen und kalt gepresste pflanzliche Öle sollten auf dem Speiseplan stehen. Für eine gute Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen können in Absprache mit dem Arzt auch Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden. „Es spricht bei Erwachsenen nichts dagegen, sich vegan zu ernähren, wenn man grundsätzlich gesund ist, es mit der nötigen Informiertheit und Umsicht macht und konsequent auf eine ausgewogene Nährstoffzufuhr achtet. Wie so oft, sind das Maß und die Vielfalt im Speiseplan das A und O”, erklärt Tollkühn-Prott. Abgesehen davon macht ja gerade das einen Speiseplan erst richtig attraktiv.