Silvester feiern ohne Handverletzungen

Silvester ohne Feuerwerk? Für viele undenkbar. Doch nicht selten endet das Böllern in der Notaufnahme.

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Unsachgemäßes Anzünden, illegal importierte oder selbstgemachte Feuerwerkskörper und Leichtsinn – das sind die drei Hauptfaktoren, die an Silvester zu zahlreichen Unfällen führen. Vor allem die Hände werden in Mitleidenschaft gezogen. Je schlimmer die Verletzung, desto höher die Gefahr, einen Teil der Fingerfertigkeit einbüßen zu müssen. Umso wichtiger ist es, die Hände im Fall schwerer Verletzungen bestmöglich zu versorgen. Deren hohe anatomische und funktionelle Komplexität fordert eine besondere Behandlung, die nur durch Experten erfolgen kann. Einer dieser Experten ist Univ.-Prof. Dr. med. Justus P. Beier, Direktor der Klinik für Plastische Chirurgie, Hand-und Verbrennungschirurgie an der Uniklinik RWTH Aachen. Gemeinsam mit seinem Team deckt er das gesamte Spektrum der Handchirurgie, aber auch der plastischen Chirurgie und der Verbrennungschirurgie ab.

Wie wichtig die Hände sind, weiß Prof. Beier aus eigener Erfahrung nur zu gut: „Als Chirurg sind meine Hände sozusagen mein Kapital. Wenn sie nicht mehr funktionieren würden, könnte ich meinen Beruf nicht mehr ausüben.“ Auch die Handgesundheit der Aachener Bevölkerung liegt ihm am Herzen. „Wir geben gerne ein paar Tipps, damit im besten Falle niemand mit einer Handverletzung ins neue Jahr starten muss“, sagt Prof. Beier.

Tipps für Liebhaber von Raketen und Böllern

  1. Kaufen Sie Feuerwerkskörper nur im Fachhandel. Lesen Sie die Gebrauchsanweisung sorgfältig und achten Sie auf das CE-­Zeichen und die BAM-Prüfnummer.
  2. Verwenden Sie am besten nur Feuerwerkskörper, die nicht in der Hand gezündet werden müssen. Verwenden Sie keine selbst gebastelten oder manipulierten Feuerwerkskörper. Sie sind besonders gefährlich, da sie zu früh oder viel stärker explodieren können als erwartet.
  3. Lagern Sie Feuerwerkskörper verschlossen und in sicherem Abstand.
  4. Wenn Sie Alkohol getrunken haben: Hände weg von Feuerwerkskörpern! Alkohol macht unvorsichtig.
  5. Feuerwerkskörper, die nicht explodiert sind, nicht noch einmal zünden. Am besten sammeln Sie solche ein und entsorgen sie. Damit schützen Sie Kinder und Jugendliche, die am Neujahrstag Blindgänger sammeln und nachzünden.
  6. Wenn doch etwas passiert: Suchen Sie bei einer Verletzung Ihrer Hand auf jeden Fall sofort einen Handchirurgen auf. Denn Handchirurgen sind die dafür geeigneten Spezialisten. Mit besonderer Fachkenntnis und Erfahrung gewährleisten sie die bestmögliche Behandlung aller Verletzungen an der Hand – von der Diagnose über die Behandlung bis hin zur Nachsorge.

In diesem Sinne: apropos wünscht einen guten und sicheren Rutsch ins Neue Jahr!

Schon gewusst?

Als Silvester wird in einigen europäischen Sprachen der 31. Dezember, der letzte Tag des Jahres im gregorianischen Kalender, bezeichnet. Nach dem Heiligenkalender der römisch-katholischen Kirche ist es der Gedenktag des heiligen Papstes Silvester I. Das Jahresendfest haben bereits die Römer mit sogenannten Feuer-Festen gefeiert, erstmals im Januar zu Beginn des Jahres 153 v. Chr., als der Jahresbeginn vom 1. März auf den 1. Januar verschoben wurde. Das Feuerwerk sollte im vorchristlich-animistischen Glauben früher „böse Geister“ vertreiben und drückt heute auch Vorfreude auf das neue Jahr aus.


Neben der Liebe zu Feuerwerkskörpern gibt es noch viele andere Silvesterbräuche, die typisch sind für uns Deutsche. Und was machen andere Landsleute?

Lecker schlemmen

Ob mit Käse, Fleisch oder mit Schokolade zum Nachtisch: Fondue ist der Klassiker unter den Silvesteressen. Ebenfalls sehr gefragt: Raclette. Davon ist man in Brasilien ganz weit entfernt: Dort essen die Einheimischen nämlich klassischen Bohneneintopf, den Feijoada. Er gilt als Nationalgericht.
In Deutschland sind mit Blick auf die Getränke die Feuerzangenbowle und natürlich Sekt oder Champagner echte Klassiker, die an keinem Silvesterabend fehlen dürfen. Auch in Spanien wird mit Sekt angestoßen. Darin befindet sich allerdings ein goldener Ring, der Glück bringen soll.

Zeit vertreiben

Die Zeit erscheint manchmal schier endlos, bis endlich Mitternacht ist. Vor allem für Kinder, die zum ersten Mal länger aufbleiben dürfen, ist das Warten auf das neue Jahr eine echte Geduldsprobe.

  • In vielen Familien ist Bleigießen eine liebgewonnene Tradition, um am Silvesterabend in die Zukunft zu blicken. Doch ab diesem Jahr ist Schluss damit – schuld daran ist eine neue EU-Regelung. Seit April 2018 gilt ein neuer Grenzwert für Blei in Produkten. Das Umweltbundesamt merkt richtig an: „Gerade durch Bleigießen zu orakeln ist keine wirklich gute Idee, denn Blei ist giftig und ein Umweltschadstoff.“ Wer nicht darauf verzichten möchte, nimmt als Alternative Wachs.
  • „The same procedure as every year, James!” Wenn Miss Sophie und ihr Butler James zur Höchstform auflaufen, gibt es auch beim zwanzigsten Mal „Dinner for one“ kein Halten mehr. Ein Klassiker, der am Silvesterabend auf zahlreichen Sendern ausgestrahlt und immer wieder gern gesehen wird. Schließlich gehören die beiden schon fast zur Familie – jedenfalls an Silvester.
  • Machen Sie es wie die Chinesen (sie feiern Silvester erst am Tag des ersten Vollmonds nach dem 21. Januar). An diesem besonderen Tag steht – ähnlich dem Frühjahrsputz – Großreinemachen des Hauses an. Wem das zu vernünftig ist, der sollte sich ein Beispiel an den Griechen nehmen: Sie vertreiben sich die Zeit mit Pokern. Das kann zwar auch ins Geld gehen, ist aber längst nicht so gefährlich wie die Silvesterknaller.
Resteessen an Neujahr

Erstmal den Rausch ausschlafen. Und dann? Wer mit der Familie oder Freunden feiert, hat meist viel zu viel eingekauft und vorbereitet. Das Essen zu entsorgen, kommt natürlich nicht infrage. Darum treffen sich viele entweder zum Katerfrühstück oder zum sogenannten Resteessen. Wie auch immer man es nennen mag: Was kann es Schöneres geben, als mit der Familie und/oder Freunden den ersten Tag im neuen Jahr zu verbringen?