Unser Herz: Wunderwerk der Natur

Von herzlichen Worten bis zu gebrochenen Herzen: Geht es um Gefühle, steht unser Herz im Mittelpunkt. Doch nicht nur seine Symbolkraft ist gewaltig, auch die Leistungsstärke des Herzens fasziniert. Im menschlichen Körper schlägt es zuverlässiger als jede Maschine und übernimmt herausragend wichtige Funktionen. Schon kleine Störungen und Erkrankungen können ernste Folgen haben.

© vegefox.com – stock.adobe.com

Wir können jemanden ins Herz schließen und mit ihm ein Herz und eine Seele sein. Uns kann aber auch das Herz gebrochen werden oder selbiges in die Hose rutschen. Es gibt Menschen, die haben das Herz am rechten Fleck, und andere eines aus Stein. Schon seit der Antike wird das Herz als Sitz der Seele und Gefühle gesehen. Das äußert sich auch heute noch in unserem Sprachgebrauch. Kein anderes Organ hat für den Menschen eine derart komplexe Bedeutung, die über die körperliche Funktion weit hinausgeht. Auch wenn wir heute wissen, dass Gefühle und Gedanken im Gehirn entstehen.

Das einzige Organ, das wir immer spüren

Seit gut 400 Jahren ist klar: Das Herz ist in erster Linie ein Muskel, der das Blut durch das Gefäßsystem des Körpers pumpt. Genau genommen ist es ein muskuläres Hohlorgan, deswegen zählt es auch zu den Organen. Das Herz schafft die Verbindung zwischen dem Lungen- und dem Körperkreislauf. Es pumpt unser Blut beständig durch den Körper und gewährleistet so die Versorgung der Organe mit Sauerstoff – eine lebenswichtige Aufgabe. Und doch gibt es auch eine Verbindung zwischen dem Herzen und unseren Gefühlen. Viele Emotionen spielen sich nicht nur im Kopf ab, sondern gehen tatsächlich „zu Herzen“ und verursachen dort deutlich messbare Reaktionen. Sind wir ängstlich oder gestresst, schlägt unser Herz schneller, weil mehr Blut durch den Körper gepumpt wird. Erschrecken wir uns, bleibt das Herz stehen – wenn auch nur sehr kurz.

Am Anfang ist das Herz

Das Herz ist das erste Organ, das im Körper während der Embryonalentwicklung angelegt wird. Demzufolge ist auch das Herz-Kreislaufsystem das erste funktionsfähig ausgebildete System beim Menschen. Solange der Embryo aus nur wenigen Zellen besteht, kann jede Zelle die benötigten Nährstoffe direkt aus ihrer Umgebung entnehmen. Sobald sich die Zellen jedoch teilen und der Embryo zu einem Ball aus Zellen heranwächst, können die Nährstoffe nicht mehr ohne Hilfe alle Zellen erreichen. Zusätzlich produzieren die Zellen Abfallstoffe, die entsorgt werden müssen. Um die Zellen am Leben zu erhalten, ist es essenziell, die Nährstoffe und Abfallprodukte im Embryo zu transportieren – die Aufgabe des Herz-Kreislauf­systems.

Wechselspiel mit Organen

Unser gesamter Organismus ist auf ein funktionierendes Herz angewiesen. Schlägt das Herz nicht oder zu schwach, können die weiteren Organe nicht mit (ausreichend) Sauerstoff versorgt werden, allen voran das Gehirn.

Welche zentrale Rolle das Herz im menschlichen Körper einnimmt, zeigt sich auch in seiner Wechselwirkung mit anderen Organen. Klar wird das jedem, der durch die Gänge der Aachener Uniklinik wandelt. Neben normalen Herzstationen gibt es hier sowohl eine spezielle Herz-Nieren- als auch eine Herz-Lungen-Station. Auch ohne medizinisches Hintergrundwissen wird deutlich: Das Herz funktioniert nicht nur alleine, sondern beeinflusst sich gegenseitig mit anderen Organen. Herz und Lunge beispielsweise liegen im Brustkorb nicht zufällig nah beieinander. Sie bilden eine funktionelle Einheit und arbeiten „Hand in Hand“ bei der Versorgung des Körpers mit Sauerstoff. So verwundert es nicht, dass Erkrankungen der Lunge zu lebensbedrohlichen Belastungen für Herz und Kreislauf werden können und umgekehrt manche Herzerkrankungen der Lunge zu schaffen machen. Oft sind Lunge und Herz zugleich krank. Ähnlich verhält es sich mit den Nieren. Hierfür gibt es an der Uniklinik und RWTH Aachen sogar einen speziellen Sonderforschungsbereich.

Modernste Technik im spezialisierten Herzzentrum

Die Uniklinik RWTH Aachen hat im Mai 2019 einen Hybrid-OP der neuesten Generation in Betrieb genommen. Hier können Ärzte bei Eingriffen am Herz- und Gefäßsystem sowie der Lunge gleichzeitig diagnostizieren und therapieren. Er ist mit seinen Bau- und Ersteinrichtungskosten von rund sechs Millionen Euro zugleich der erste Hochkomplex-Cluster der Region: Herzchirurg, Thoraxchirurg, Gefäßchirurg, Kardiologe und Anästhesist untersuchen und therapieren gemeinsam. Pro Jahr sind zwischen 500 und 600 Eingriffe geplant.

Wichtig ist für die Herzgesundheit also eine fachübergreifende Zusammenarbeit. In Aachen wird das an der Uniklinik im modernsten und größten Zentrum für Herz- und Gefäßkrankheiten der Region gelebt, dem Westdeutschen Herzzentrum Aachen. Hier verbindet sich die Expertise fünf verschiedener Kliniken und Fachbereiche.

Der Leitgedanke des Zentrums ist der eines „Herz-Teams“: Sie arbeiten unter der Maxime, die verschiedenen erforderlichen Fachrichtungen zur Diagnostik und Therapie der Herz- und Kreislauferkrankungen unter einem Dach zu bündeln. Patienten können so in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit optimal versorgt und abgestimmt bestens behandelt werden, sowohl im Kindes- und Jugend- als auch im Erwachsenenalter. Kooperationen bestehen zu vielen weiteren Fachkliniken und Bereichen der Uniklinik, die sich regelmäßig fallbezogen abstimmen, um die individuell beste Vorgehensweise abzusichern.

Der Traum vom künstlichen Herzen

Nicht nur die bestmögliche Patientenversorgung steht in Aachen im Fokus. Es wird auch fleißig an einem Ersatz für dieses fast perfekte Organ geforscht. Erkrankungen des Herz- und Kreislaufsystems stellen eine der häufigsten Krankheitsbilder der westlichen Welt dar. Für Herzerkrankungen im fortgeschrittenen Stadium bleibt oft nur eine Herztransplantation als Therapiemöglichkeit.

Immer weniger Menschen sterben in Deutschland an Herz-Kreislauferkrankungen. Allerdings geht die Sterblichkeit nur minimal zurück. Die Erkrankungen bleiben mit einem Anteil von 37,2 Prozent weiterhin vor Krebs (25,3 Prozent) mit Abstand die Todesursache Nummer eins im Land, wie der Herzbericht 2018 der Deutschen Herzstiftung zeigt.

Die Bereitschaft zur Organspende stieg zwar 2018 in Deutschland, nach vielen rückläufigen Jahren, erstmals wieder an, allerdings werden nach wie vor deutlich mehr Spender­organe benötigt als zur Verfügung stehen. Zahlreiche Menschen warten vergeblich auf ein Organ – allein 82 Personen von der Warteliste auf ein Spenderherz sind vergangenes Jahr verstorben.

Zukunftsvision: Das Aachener Kunstherz

Deswegen tüftelt beispielsweise das Aachener Helmholtz-Institut für Angewandte Medizintechnik seit mehreren Jahren an einem Kunstherzen. Besonders patientenfreundlich sind künstliche Herzen bislang noch nicht, auch sind sie nicht für den dauerhaften Verbleib im Körper geeignet – aber die Aachener Forscher arbeiten daran, dass sich das ändert. Ihr Ziel ist ein Kunstherz, das voll implantierbar, also ohne Schläuche durch die Haut, funktioniert und wartungsfrei über viele Jahre im Körper des Menschen schlagen kann. Es würde einen Durchbruch für die Therapie von schwerstkranken Patienten bedeuten. In Aachen ist das eine Herzensangelegenheit – wobei wir wieder bei den Redewendungen wären.