Apropos Herz: Buchtipp

Herz über Kopf: Was unser Zentralorgan alles leistet und was wir ihm schulden

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Dass unser Herz kann, was es tut, ist wahrlich keine Selbstverständlichkeit. Etwa drei Milliarden Mal schlägt ein menschliches Herz bis zum 80. Geburtstag seines Besitzers und pumpt stetig etwa 25 Billionen rote Blutkörperchen durch den Organismus – wenn alles gut geht.

Nachhelfen ist möglich und unbedingt angeraten. Wie das geht, erklärt der Arzt und Buchautor Felix Schröder. Der angehende Assistenz­arzt an einem Hamburger Herz- und Gefäßzentrum hat sich mit Leidenschaft dem faustgroßen Organ verschrieben und versteht es, die Komplexität unseres „Bio-Motors“ ebenso anschaulich wie kurzweilig zu beschreiben.

„Was das Herz begehrt: Wie wir unser wichtigstes Organ bei Laune halten“ von Felix Schröder ist bei Edel Books erschienen und hat 240 Seiten. ISBN: 978-3-8419-0545-1

Das Herz sorgt nicht nur für eine ausdauernde Pumpleistung, es gilt metaphorisch auch als Sitz unserer Gefühlswelt. Dass man jemandem das Herz brechen kann, ist keine bloße Fiktion: Inzwischen hat man auch mit wissenschaftlichen Methoden klare Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen psychischen und Herzerkrankungen festgestellt. Fakt ist: Wer herzkrank ist, neigt eher zu Depressionen. Funktioniert das Organ nicht mehr richtig, geht das nicht spurlos an der Stimmung vorüber. Umgekehrt gilt auch: Wer unter Depressionen leidet, wird öfter herzkrank.

Die neun Kapitel befassen sich mit einem breiten Themenspektrum, mitunter ein wenig humoristisch, wie man schon an den Kapitelüberschriften erkennt: „Frauenherzen sind anders, Männerherzen auch“, „Ist Kaffee gefährlich fürs Herz?“, „Antikörper auf Kaperfahrt“, „Das Geheimnis gesunder Raucher“ oder auch „Überzeugen Sie sich – nicht Ihren Arzt!“. Wer sich im Anschluss kurz testen möchte, kann das anhand eingebundener Quizfragen und nachfolgender Auflösung gleich vor Ort tun.

Natürlich kommen in diesem lesenswerten Buch auch all die Ratschläge zur Herzgesundheit nicht zu kurz. Man ist aber fast dankbar, dass der Autor der allzu naiven Vorstellung, wir könnten allein durch unser Verhalten zu fortwährender Gesundheit gelangen, dann doch deutlich widerspricht.

Es gibt sie nämlich doch: Die sportlich 40-Jährigen, die keinerlei Risikogruppe angehören, aber dennoch wegen Kammerflimmerns reanimiert werden müssen. Oder den kettenrauchenden Ex-Manager à la Helmut Schmidt, der „sowohl psychisch als auch organisch zutiefst unbeeindruckt“ einen Herzinfarkt übersteht und im Nachgang ein biblisches Alter erreicht. Zur Nachahmung sei das freilich nicht zu empfehlen. Die eigene Herzgesundheit sollte man vor Augen haben und das gelingt vielleicht besser, wenn man sich das komplexe Zusammenspiel der Herzmuskulatur und ihrer Rhythmen – Felix Schröder vergleicht sie mit einem eingespielten Orchester, ein schönes Bild – vor Augen führt. Schröder tut das als Arzt natürlich auch. Zur Arbeit fährt er daher, nicht zuletzt seinem Herzen zuliebe, mit dem Fahrrad.