Zu Besuch im Aachener Tierpark

Als Wolfram Graf-Rudolf das Amt des Zoodirektors übernahm, hatte er sein eigenes Konzept schon im Kopf. Statt sich mit den großen Zoos im Ruhrgebiet, in Köln oder Düsseldorf zu messen, suchte er nach dem Originellen. Genau deshalb ist der Aachener Tierpark, der seit einigen Jahren auch Euregio-Zoo heißt, so sehenswert.

Wolfram Graf-Rudolf leitet seit fast 20 Jahren den Aachener Tierpark.

„Es geht nicht darum,
Tiere zu zeigen.“
Wolfram Graf-Rudolf

Anfang der Siebziger brachte Bernhard Grzimek die große weite, wilde Welt in deutsche Wohnzimmer. In einem davon saß der neunjährige Wolfram, der sich von nun an nichts sehnlicher wünschte, als Afrika kennenzulernen und Zoodirektor zu werden. Zielstrebig, aber nicht ganz ohne Umwege ging er seinen Weg, wurde Tierpfleger, arbeitete im Münsteraner Zoo, wanderte nach Namibia aus, bis ihn die Liebe zu seinen Kindern zurück nach Deutschland und schließlich ins Rheinland führte. „Ich hatte immer eine Idee davon, was ich mit meinem Leben machen wollte“, gibt Wolfram Graf-Rudolf seinen zwei Söhnen mit auf den Weg. Und: „Wenn du für etwas wirklich brennst, kannst du es auch schaffen.“

„Ich baue die Gehege für die Bewohner, nicht die Besucher!“

Und Wolfram Graf-Rudolf brannte. Als er im Jahr 2000 das Amt des Aachener Zoodirektors übernahm, war er der erste und einzige Nicht-Akademiker auf so einem Posten. Unbeirrt verwirklichte er seine Vision eines Zoos, in dem Besucher die Tiere in einem natürlichen Lebensraum beobachten können und mit ihren Kindern nah an sie herankommen. Kapuziner­äffchen statt Gorillas, Pinguine statt Giraffen. Gruppentiere wurden heimisch, die zwar nicht besonders groß sind, dafür aber ein reiches Feld für Beobachtung bieten und dem Besucher Spaß machen.

Wolfram Graf-Rudolfs Konzept ging auf. Die Besucherzahlen verdoppelten sich auf knapp 400.000 pro Jahr. „Für eine kleinere Stadt wie Aachen nicht wenig“, sagt er. „Die zu halten, ist schon schwer genug.“ Doch auch außerhalb der Region blieb sein Erfolg nicht unbemerkt. 2004 listete Greenpeace den Aachener Tierpark unter den besten 22 Zoos in Deutschland, der Schweiz und Österreich auf. 2007 wird er in den Verband der Zoologischen Gärten aufgenommen, in den nur wissenschaftlich geführte Zoos mit strengen Artenschutzrichtlinien und Zuchtprogrammen kommen. Und auch die hügelige Geparden-­Anlage wird 2015 mit dem „Biber“ des Berufsverbandes der Zootierpfleger ausgezeichnet.

© Liz Lück

Die Ehrungen bestärkten Wolfram Graf-Rudolf in dem Weg, den er mit seinem 30-köpfigen Team eingeschlagen hatte. Mit elf Tierarten nimmt der Zoo an verschiedenen Schutzprogrammen teil, die einen wichtigen genetischen Rückhalt für bedrohte Arten bilden. „Für mich stehen die Tiere immer an erster Stelle“, sagt er. „Das heißt, ich will ihnen ein gutes Zuhause bieten.“ Damit das Gelände dem natürlichen Lebensraum möglichst nahekommt, sollen die Tiere ihr Futter suchen und beschäftigt sein. „Auch wenn das arrogant klingt, ich baue die Gehege nicht für die Besucher, sondern für die Bewohner. Schließlich geht es nicht nur darum, Tiere zu zeigen.“

Zu einem erfolgreichen Tierschutz gehört mehr

Einer dieser Bewohner, der Afrikanische Pinguin, auch Brillenpinguin genannt, hat es nicht nur zum Publikumsliebling, sondern auch zum Maskottchen des Aachener Zoos gebracht. Um seinen natürlichen Lebensraum zu erhalten, unterstützt der Zoo ein Artenschutz-Projekt in Südafrika und finanziert vier Ranger, die sich Tag und Nacht um die Brutplätze der Pinguine kümmern, die dort durch vermehrte Freizeitaktivitäten bedroht sind. Jeder Zoobesucher, der einen Plüsch-Pinguin namens „Boldi“ ersteht, spendet zehn Euro, die zu einhundert Prozent in das Projekt fließen. Und das zeigt Erfolge: Die Zahl der Pinguine in dem nunmehr geschützten Areal hat sich in den letzten Jahren mehr als verdoppelt.

Viele Neuerungen geplant Darüber hinaus setzt der Tierpark verstärkt auf Familienfreundlichkeit, engagiert sich in sozialen Projekten und kooperiert mit 220 Institutionen und Vereinen. Er beherbergt eine Zooschule, in der Biologie zum Anfassen gelehrt wird, einen ganztägig und ganzjährig angebotenen Kinderbauernhof mit Ferienprogramm und bietet therapeutisches Reiten.

Trotz des Erfolges mangelt es Wolfram Graf-Rudolf nicht an Ideen. „Es wird in den kommenden Jahren viele Neuerungen, attraktive Verbesserungen und ambitionierte Veränderungen geben, die unser Team gemeinsam mit dem Förderverein des Tierparks gestalten wird“, verspricht der Zoodirektor. „Unsere Besucherinnen und Besucher dürfen sich darauf freuen.“


Öffnungszeiten

Der Aachener Tierpark ist an 365 Tagen im Jahr geöffnet.

16.02. – 15.10.: 9:00 – 18:30 Uhr
16.10. – 15.11.: 9:00 – 17:30 Uhr
16.11. – 15.02.: 9:00 – 16:30 Uhr

Der letzte Einlass ist jeweils 30 Minuten vor Schließung.

Eintrittspreise

Erwachsene: 6,40 Euro (Jahreskarte 32,00 Euro)
Kinder ab 3 Jahren: 3,20 Euro (Jahreskarte 13,50 Euro)
Gesonderte Tarife für Rentner, Studierende und Gruppen.

www.euregiozoo.de