Mehr Medizin wagen

Prof. Dr. med. Thomas H. Ittel über Herkunft und Zukunft der Stiftung Universitätsmedizin Aachen

„Helfende Hand“: Der Hubschrauberlandeplatz an der Uniklinik RWTH Aachen.

Im November 2015 hat sich die Stiftung Universitätsmedizin Aachen im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung im Krönungssaal der Stadt Aachen konstituiert. Seither ist eine Menge geschehen: Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Unternehmer und Wissenschaftler konnten als Fürsprecher gewonnen und nachhaltige Strukturen aufgebaut werden. Das schlägt sich auch in der Bilanz nieder: Fördergelder wurden eingesammelt und über eine Viertelmillion Euro konnte bis heute für Projekte ausgeschüttet werden. Eine stolze Zahl, bedenkt man, dass die Initiatoren zum Startschuss der Stiftung quasi bei Null angefangen haben. Im Interview spricht apropos mit Prof. Dr. med. Thomas H. Ittel, Ärztlicher Direktor der Uniklinik RWTH Aachen und Vorstandsvorsitzender der Stiftung, über bisherige Wegmarken und künftige Ziele der Stiftung.

Herr Prof. Ittel, die Uniklinik RWTH Aachen ist das mit Abstand größte Krankenhaus der Region, hat ausgewiesene Fachleute in ihren Reihen und investiert in großem Umfang in die eigene Modernisierung. Ist eine zusätzliche Stiftung da überhaupt nötig?

Prof. Dr. med. Thomas H. Ittel: „Besondere Dinge Realität werden lassen.“

Prof. Ittel: Eine wichtige Frage. Man könnte meinen, dass in einer derart großen Institution für alle Bedürftigkeiten, die im Alltag eines Krankenhauses auftauchen können, gesorgt ist. Aber dem ist nicht so – aus zwei Gründen. Erstens gibt es nach wie vor eine Reihe empfindlicher Versorgungslücken, die uns im Rahmen der Behandlungen immer wieder begegnen und die nicht durch Kassen oder öffentliche Mittel gedeckt sind. Manche lassen sich schon mit kleinen Beträgen schließen, bei anderen braucht es einen längeren Atem und umfassendere Förderung. Dabei ist uns auch immer daran gelegen, tragfähige Strukturen zu schaffen, zur dauerhaften Selbsthilfe zu ermächtigen. Wenn sich ein Projekt bewährt, ist es denkbar, dieses in eine regelhafte Versorgungsstruktur zu integrieren, weil wir dann den Kostenträgern bessere Nachweise für die Wirksamkeit liefern können. Zweitens wollen wir auf der anderen Seite aber auch Besonderheiten und Errungenschaften, die hier in Aachen und speziell an der Uniklinik stattfinden können, sichtbar machen. Durch die Zusammenarbeit mit den Ingenieurfächern der RWTH werden wir sehr viel mehr als andere Standorte in die Lage versetzt, anwendungsfähige Innovationen zu schaffen, die greifbar sind, und die man auch gut in der Öffentlichkeit vermitteln kann. Hier in Aachen sind also besondere Dinge möglich. Wir möchten einen Beitrag dazu leisten, diese Realität werden zu lassen und sie sichtbar zu machen. Letztlich geht es darum, um eine bekannte Wendung zu nutzen, dass wir einfach mehr Medizin wagen wollen – in und für Aachen.

Welche Ziele verfolgt die Stiftung?

Prof. Ittel: „Gemeinsam Gesundheit fördern – über die medizinischen Grundbedürfnisse hinaus“ lautet der Leitsatz der Stiftung Universitäts­medizin Aachen. Sie soll der Uniklinik RWTH Aachen die Möglichkeit geben, durch privates oder unternehmerisches Engagement die Lücke zwischen den zu bewältigenden Anforderungen und Aufgaben und der Höhe der zur Verfügung stehenden staatlichen Mittel zu schließen und eine größere Flexibilität zu schaffen. Konkret geschieht dies in den Bereichen Forschung, Lehre und Krankenversorgung. Vorstand, Kuratorium und Beirat der Stiftung haben bislang immer darauf geachtet, dass hier alle Themenfelder gleichermaßen gefördert werden, denn letztlich dienen sie alle unserer Gesundheit. Auftrag ist also die Unterstützung der medizinischen Versorgung, der Transfer von Forschung in klinische Anwendung sowie die Weitergabe von Wissen an künftige Ärztegenerationen.

Was hat die Stiftung bislang konkret bewegt?

Prof. Ittel: Wir haben bisher rund 15 Projekte gefördert, angefangen bei Projektgrößen von 3.000 bis hin zu 60.000 Euro, insgesamt über eine Viertelmillion in den letzten drei Jahren. Dafür gebührt allen Förderern und Unterstützern Dank und Anerkennung. Die Projekte sind vielfältig – von der Krebssportgruppe über medizintechnische Produkte wie eine Microschlucksonde bis hin zur Entwicklung von Rehabilitationsrobotik. Um Interessierten, aber auch Förderern einen Überblick über die Projekte zu geben, haben wir uns entschieden, die Stiftung einmal zum Thema eines apropos-Heftes zu machen. Wichtig ist mir aber auch, stete Anlässe zu haben, die Öffentlichkeit über wichtige Errungenschaften an der Uniklinik zu informieren und auf diese Weise ein Bewusstsein für unseren Standort zu schaffen. Wir können damit zeigen, dass wir hier in Aachen an Produkten und Dienstleistungen arbeiten, die nicht exportierbar sind, sondern Standortsicherheit schaffen. Wenn es gelingt, einmal mehr die Tatsache hervorzuheben, dass sowohl die RWTH als auch die Uniklinik ein Glücksfall für den Standort Aachen sind, dann haben wir ein wichtiges Ziel erreicht.

Wie fällt Ihr Resümee nach rund vier Jahren Stiftung Universitätsmedizin Aachen aus?

Prof. Ittel: Positiv. Ein erster Erfolg war es, die Stiftung überhaupt zu gründen. Das war definitiv eine große Herausforderung, denn es galt, erst einmal einen materiellen Grundstock zu schaffen. Dies geschah durch rein private finanzielle Mittel seitens der Uniklinik, der Klinik- und Institutsdirektoren und des Vorstands. Jetzt haben wir durch konstante Mittel­einwerbung tatsächlich die Möglichkeit, größere und kleinere Projekte ins Leben zu rufen, die den Alltag der Forschenden, der Studierenden und vor allem der Patienten verbessern. Das macht wirklich Freude.