Im Einsatz für das Kinderlachen

Mit der sogenannten NAM-Methode erzielt die Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Uniklinik RWTH Aachen beeindruckende Erfolge bei der Behandlung von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten. Unterstützt wird die Therapie von der Stiftung Universitätsmedizin Aachen.

Die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte gehört zu den häufigsten Deformitäten bei Kindern. Sie tritt in Deutschland bei jedem 500. Neugeborenen auf – so wie bei dem heute zwei Jahre alten Frederik. Neben der optischen Fehlbildung macht sich die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte durch eine auffällige Sprache und eine gestörte Kaufunktion bemerkbar.

Frederik ist zwei und ein quietschfideles Kind, das gerne lacht. Wenn er mit seinem Bruder Henri durch den Garten der Roetgener Familie tobt, ahnt kaum jemand, dass der Junge mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte auf die Welt kam, einer relativ häufig auftretenden Fehlbildung, deren exakte Entstehungsursache trotz weltweiter Forschungen bis heute ungeklärt ist.

Wie in den meisten Fällen erfolgte die Diagnose auch bei Frederik schon vor der Geburt, die Therapie begann kurz danach. Das Behandlungsergebnis kann sich sehen lassen, was hauptsächlich einem Heilverfahren namens „Nasoalveolar Molding“ (NAM) zu verdanken ist.

Mehr als eine einfache Trinkplatte

Bei dieser nur in wenigen medizinischen Zentren etablierten Methode werden bereits kurz nach der Geburt aus weichem Silikonmaterial Abformungen des Oberkiefers und der Nase angefertigt. Sie dienen der Herstellung einer Gaumenplatte, mit deren Hilfe es gelingt, den Schweregrad der Deformität der später zahntragenden Oberkiefersegmente zu reduzieren und die Zungenlage zu regulieren. Mit weiteren Hilfsmitteln und Modifikationen, wie Klebestreifen oder Nasensteg, wird die Deformation der Lippe und der Nase in ihrer Schwere weiter reduziert.

Dies alles geschieht in den ersten drei Lebensmonaten, in denen der Knorpel des Kindes noch formbar ist. So wird mit der anschließenden ersten Operation, in der die Lippe verschlossen wird, das bestmögliche funktionelle und ästhetische Ergebnis für das Kind erzielt. Die Narbenbildung wird vermindert und Folgeoperationen, wenn möglich, vermieden.

Für kleine Patienten wie Frederik ist der Umgang mit einer solchen NAM-Gaumenplatte in der Regel völlig unproblematisch. Für die Eltern ist das Verfahren eine wichtige Möglichkeit, die Therapie ihres Kindes aktiv mitzugestalten.

Stiftungsgelder helfen, wenn die Krankenkasse nicht zahlt

Frederik und Bruder Henri spielen im Garten.

Obwohl die Vorteile der NAM-Methode durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt ist, werden die relativ hohen Kosten, die aufgrund von Maßanfertigung und Handarbeit entstehen, nicht von jeder Krankenkasse übernommen. In Fällen, in denen die finanzielle Belastung einer NAM-Behandlung im Wege steht, hilft die Stiftung Universitätsmedizin Aachen. Sie stellt rund 30.000 Euro für das Projekt zur Verfügung.

Frederik hat mit dem Lippen- und Gaumenverschluss zwei von drei Operationen und damit das Gröbste hinter sich. Erst im Schulalter folgt eine letzte operative Maßnahme, bei der ein Stück Knochen in den Kieferspalt eingebracht wird. Anschließend können gemeinsam mit der Klinik für Kieferorthopädie die Zähne zu einem möglichst perfekten Zahnbogen ausgeformt werden. Spätestens dann gehört die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte der Vergangenheit an.

Das ganze Behandlungsspektrum unter einem Dach

Für den Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Univ.-Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Frank Hölzle, ist die Arbeit mit den kleinen Patienten eine Herzensangelegenheit. „Ich würde niemals sagen, dass wir besser operieren als andere. Aber was ich mit Bestimmtheit sagen kann ist, dass wir den Eltern alles bieten, was für die Behandlung nötig ist, und zwar unter einem Dach. Und dass wir mit Leidenschaft bei der Sache sind. Ich habe selbst vier Kinder, liebe es, mit Kindern zu arbeiten, und würde – ganz ehrlich – auch zu uns in die Uniklinik gehen.“

Frederik mit Mutter Joanna und Bruder Henri

Projekt „Spezielle Behandlungstechnik bei Lippen-Kiefer-­Gaumenspalte“

Nicht alle Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Gaumenplatte. In diesen Fällen kann die Stiftung Universitätsmedizin Aachen helfen und Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten mit der über 1.000 Euro teuren Platte ausstatten – zum Wohle vieler Neugeborener.

Weitere Projekte finden Sie unter www.stiftung-um-aachen.de.