Wenn’s im Bauch zwickt: Erkrankungen des Verdauungstrakts

Die Verdauungsorgane sind das Kraftwerk unseres Körpers. Doch das komplexe Verdauungssystem ist anfällig für zahlreiche Erkrankungen von Sodbrennen oder Durchfall bis hin zu Gelbsucht, chronischen Darmerkrankungen oder Krebs.

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Leiden Sie an einer Erkrankung von Magen, Darm oder eines Ihrer anderen Verdauungsorgane? Nein? Glück für Sie! Falls doch, sind Sie damit bei Weitem kein Einzelfall. Erkrankungen der Verdauungsorgane gehören zu den häufigsten der Deutschen. Laut Deutscher Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) werden jährlich 2,5 Millionen Menschen mit Krankheiten des Magen-Darm-Trakts, der Leber, der Gallenwege oder der Bauchspeicheldrüse im Krankenhaus behandelt – Tendenz steigend.

Wie wird man krank? Meist sind es Infektionen oder Entzündungsprozesse in Leber, Darm oder Bauchspeicheldrüse, die zur Entstehung einer Erkrankung im Verdauungstrakt bis hin zu Krebs führen. Hält die Entzündung nicht lange an, zum Beispiel wenn sie frühzeitig behandelt wird, kann ein gesunder Körper das in der Regel gut wegstecken. Ist sie aber von längerer Dauer und wird vielleicht sogar nicht einmal bemerkt, werden diese chronischen Entzündungsprozesse gefährlich. Betroffen davon sind Menschen jeder Altersgruppe, auch junge Menschen. Solche Entzündungsprozesse schädigen nicht nur die Verdauungsorgane, sondern sind zugleich Ursache einer Vielzahl von Krankheiten außerhalb des Verdauungstrakts.

Die Gastroenterologie betrachtet nicht einzelne Organe, sondern das komplette Verdauungssystem. Auf diese Weise kann sie die vielfältigen Krankheitsprozesse nicht nur in Darm, Leber und Bauchspeicheldrüse, sondern im gesamten Körper verstehen, erkennen und erfolgreich behandeln.

Vorsorge ist das A und O Wichtig ist daher eine wirksame Vorsorge und Prävention. Hierzu gehört in erster Linie ein guter Lebensstil mit gesunder und ausgewogener Ernährung und viel Bewegung. Auch Vorsorgeuntersuchungen spielen eine große Rolle. So lassen sich viele Erkrankungen frühzeitig erkennen und behandeln. Regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen beim Internisten oder Gastroenterologen erhöhen die Erfolgsaussichten einer Therapie und können den Verlauf von Erkrankungen aufhalten oder zumindest verlangsamen. Gehen Sie also nicht nur zum Arzt, wenn Sie Beschwerden im Verdauungstrakt haben, sondern nutzen Sie ebenfalls die Angebote der gesetzlichen Krankenversicherung zur Darmkrebsfrüherkennung. Im Alter zwischen 50 und 54 Jahren besteht Anspruch auf einen jährlichen Stuhltest. Noch zuverlässiger ist eine Darmspiegelung, die Koloskopie. Männern wird sie ab 50, Frauen ab 55 Jahren empfohlen. In einigen Fällen können Vorsorgeuntersuchungen auch schon vor dem 50. Geburtstag sinnvoll sein, etwa bei einer familiären Vorbelastung oder bei Personen mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen des Darms. Hier besteht ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs. Bei Fragen oder Unsicherheiten steht der Hausarzt beratend zur Seite. Denn prinzipiell gilt: Unabhängig vom Alter ist es nie zu früh, sich mit der eigenen (Magen-Darm-)Gesundheit auseinanderzusetzen.


Erkrankungen des Verdauungstrakts

Speiseröhre

Es entsteht oft nach einer üppigen Mahlzeit oder übermäßigem Alkohol­konsum: saures Aufstoßen oder Sodbrennen. Wenn das Sodbrennen allerdings nicht nur sporadisch, sondern dauerhaft auftritt, also chronisch geworden ist, kann eine Refluxkrankheit vorliegen. Dabei funktioniert der Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen nicht einwandfrei, sodass Mageninhalt zurück in die Speiseröhre gelangt. Wenn er bis in den Mundraum gelangt, wird das typische Brennen ausgelöst.

Magen

Eine Magenerkrankung äußert sich oftmals in Bauchschmerzen wie einem Druckgefühl oder Druckschmerzen, insbesondere im Bereich des Oberbauchs. Auch Übelkeit, Erbrechen oder Appetitlosigkeit zählen zu den Symptomen. Oftmals verursacht eine Magenschleimhautentzündung, die sogenannte Gastritis, diese Beschwerden. Auslöser können Medikamente, übermäßiger Alkohol- bzw. Nikotinkonsum, Bakterien oder Viren sein.
Auch Geschwüre oder ein Reizmagen sind denkbar. Unter dem Begriff Reizmagen werden vielfältige Beschwerden im Bereich von Magen und Oberbauch zusammengefasst, die sich nicht auf eine eindeutige organische Ursache zurückführen lassen. Bei vielen Betroffenen treten die Beschwerden insbesondere beim oder nach dem Essen auf, oft in Form von Völlegefühl, Druck im Oberbauch – der sprichwörtliche „Stein im Magen“ – und vorzeitigem Sättigungsgefühl.

Darm

Der Darm kann in unterschiedlichem Maße durch entzündliche oder infektiöse Durchfallerkrankungen, aber auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie Zöliakie (auch Sprue genannt; eine durch Glutenunverträglichkeit verursachte Erkrankung des Magen-­Darm-Trakts) betroffen werden. Akute Darm­erkrankungen bringen Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall mit sich, die nach ein bis zwei Wochen wieder abklingen, ohne Folgen zu hinterlassen. Chronische Darmerkrankungen hingegen sind für Betroffene oft ein lebenslanges Problem. Das Reizdarmsyndrom, eine relativ häufige Funktionsstörung des Darms, macht sich beispielsweise durch wiederkehrende Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung oder Blähungen bemerkbar. Bei chronisch-entzündlichen Darm­erkrankungen (CED) wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa kommen Schwäche und Abgeschlagenheit sowie Symptome außerhalb des Verdauungstrakts hinzu, typisch sind die wiederkehrenden Krankheitsschübe. CED können erhebliche Folgen für die Gesundheit haben und die Lebensqualität massiv beeinträchtigen. Sie gehen auch mit einem erhöhten Darmkrebsrisiko einher.

Bauchspeicheldrüse

Die Bauchspeicheldrüse produziert Verdauungsenzyme – also das für die Verdauung notwendige Werkzeug – und reguliert unseren Blutzucker. Ist diese Funktionalität gestört, kann sich ein Diabetes mellitus, die sogenannte Zuckerkrankheit, entwickeln. Daneben können auch akute oder chronische Bauchspeicheldrüsen­entzündungen auftreten.

Leber

siehe Wenn die Leber müde macht

Gallengang

Galle ist ein Helfer für die Fettverdauung. Sie wird in der Leber produziert und in der unten an der Leber angesiedelten Gallenblase gespeichert. Über die Gallenwege gelangt sie für die Verdauung in den Dünndarm. Sind die Gallengänge versperrt – etwa infolge verdickter Gallenflüssigkeit, so entstehen Gallensteine –, kommt es zu einem Rückstau der Gallenflüssigkeit in die Leber. Die Folge können Gelbsucht, Entfärbung des Stuhls, Dunkelfärbung des Urins und fieberhafte Infektionen sein.

Betrifft alle Organe: Krebs

siehe Erkrankungen des Verdauungstrakts: Krebs