Richtig oder falsch: Verklebt Kaugummi den Magen?

Manche Annahmen zum Wohlbefinden unseres Magens und Darms erscheinen uns wie gesichertes Grundwissen. Doch längst nicht alles, was auf den ersten Blick plausibel klingt, ist es letztendlich auch. apropos stellt die bekanntesten Mythen auf den Prüfstand.

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Kräuter(-Tees) helfen gegen Bauchgrummeln
Richtig. Manche Pflanzen können tatsächlich Linderung verschaffen, wenn geringe Beschwerden vorliegen. So sind Kräuter wie Fenchel, Anis, Kümmel, Koriander oder Kamille wohltuend für den Magen. Kamillenblüten wirken zudem entzündungshemmend, antibakteriell und entkrampfend.

Käse schließt den Magen
Richtig. Käse verschließt beziehungsweise verstopft am unteren Ende des Magens den Ausgang, den sogenannten Magenpförtner, sodass der Mageninhalt nicht in den Darm transportiert werden kann. Das wiederum löst im Körper ein Sättigungsgefühl aus. Zudem besteht Käse aus vielen freien Fettsäuren, die bei der Verdauung freigesetzt werden. Kommen diese mit der Darmwand in Kontakt, werden Hormone ausgeschüttet – unter anderem das Enterogastron. Es hemmt jene Muskelbewegungen des Magens, welche die Nahrung vorwärts bewegen, und schließt den Ausgang zum Darm. So werden die Magen­entleerung und somit auch die nächsten Verdauungsschritte verzögert.

Verschluckte Kaugummis verkleben den Magen
Falsch. Der Körper scheidet die Kaumasse fast vollständig wieder aus. Nur kleine Mengen Zucker und Zusatzstoffe werden bei der Verdauung in den Körper aufgenommen. Auch die weit verbreitete Angst, der Kaugummi könnte sich an der Magenschleimhaut oder an den Darmwänden festkleben, ist unbegründet, da die inneren Organe mit einem Feuchtigkeitsfilm überzogen sind.

Kaffee und Zigaretten kurbeln die Verdauung an
Richtig. Kaffee enthält Koffein, Säuren, Gerb- und Bitterstoffe, welche tatsächlich verdauungsfördernd wirken. Die Bitterstoffe kurbeln die Verdauung an, indem sie die Durchblutung steigern und die Darmbewegung fördern. Auch die Ausschüttung von Magensäure wird gesteigert und der Leber- und Gallenstoffwechsel angeregt.
Nikotin stimuliert die Darmtätigkeit ebenfalls. Durch Zigaretten wird der für die Magensaftproduktion zuständige Teil im Gehirn dazu angeregt, mehr Magensaft zu produzieren, was wiederum den Darm und die Verdauung anregt. Empfehlenswert ist der Glimmstängel trotzdem nicht, Rauchen bleibt ungesund!

Schnaps fördert die Verdauung
Richtig und falsch. Hochprozentiger Alkohol nach einer deftigen Mahlzeit vermittelt zwar ein wohliges und entspannendes Gefühl, fördert aber nicht die Verdauung – ganz im Gegenteil: Er verzögert sie sogar. Der Alkohol entspannt die Magenmuskulatur, der Nahrungsbrei liegt anschließend länger im Magen und wird nur langsam in Richtung Darm befördert. Kräuterschnäpse hingegen können sich positiv auf die Verdauung auswirken, was aber nicht dem Alkohol, sondern den Kräutern geschuldet ist. Greifen Sie daher lieber zu einem Gläschen Ingwer- oder Kräutertee.

Dreck reinigt den Magen
Falsch. Dreck reinigt nicht den Magen, im Grunde reinigt der Magen sich selbst. Verschlucken Menschen Schmutz, Dreck oder Sand, verhindert die extrem starke Magensäure, dass er Schaden anrichtet, indem die Säure fast alle Bakterien abtötet. Kleine Steine, die die Säure nicht kleinkriegt, scheidet der Körper einfach wieder aus. Die Schutzfunktion der Magensäure lässt sich aber durchaus stärken. In den frühen Kinderjahren wird das Abwehrsystem trainiert und der Körper gewöhnt sich an viele Bakterien. Das geht nur, wenn das Immunsystem auch etwas zu tun bekommt. So widersprüchlich es also klingen mag: Krankheiten stärken das Immunsystem.

Milch hilft bei Sodbrennen
Falsch. Da Milch einen leicht sauren pH-Wert hat, ist sie nicht in der Lage, Magensäure zu neutralisieren. Die Annahme, dass das Trinken von Milch die Symptome von Sodbrennen lindert, wirkt wie ein Placebo. Ein Schluck Milch erscheint oftmals lindernd, da die Flüssigkeit die Speiseröhre frei von der Säure aus dem Magen spült. Noch besser lässt sich dies allerdings mit einem Glas Leitungswasser erzielen. Als wirksames Hilfsmittel, um das brennende Aufstoßen erträglicher zu machen, hat sich Kaugummikauen bewährt: Es regt die Speichelproduktion an, was im Gegensatz zu Milch tatsächlich neutralisierend wirkt.

Cola und Salzstangen helfen bei Durchfall
Falsch. Cola und Salzstangen gelten seit Generationen als nützliche Hilfsmittel, da der energie­reiche Softdrink und der natriumhaltige Laugensnack den Flüssigkeits- und Mineralienverlust rasch ausgleichen sollten. Doch das Gegenteil ist der Fall: Das überzuckerte Getränk sorgt mit dem hohen Koffeingehalt eher für eine Verschlimmerung der Symptome. Auch Salzstangen bringen wenig, da sie nur Kochsalz ersetzen. Um den Nährstoffverlust gleichmäßig auszugleichen, sollten Sie lieber zu Tee, Wasser, Brühe, Trockenobst, Zwieback, Brot oder Bananen greifen. Alternativ gibt es in der Apotheke spezielle Elektrolyt-Beutel oder Sie folgen der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für eine Trinklösung: 4 Teelöffel Zucker, ¾ Teelöffel Salz (Kochsalz = Natriumchlorid), 1 Tasse Orangensaft – oder ersatzweise 2 Bananen dazu essen (enthalten Kalium) – und 1 Liter Mineralwasser oder industriell aufbereitetes Wasser.