Karpaltunnelsyndrom: Kleiner Eingriff sorgte für Beschwerdefreiheit

Die Klinik für Plastische Chirurgie, Hand- und Verbrennungschirurgie an der Uniklinik RWTH Aachen ist unter anderem auf die Behandlung des Karpaltunnelsyndroms spezialisiert. Mit der minimal-invasiven, videoendoskopischen OP-Methode konnte das Team um Klinikdirektor Univ.-Prof. Dr. med. Justus P. Beier dem ehemaligen Patienten Dr. Sebastian Sanders helfen. Über erste Symptome, die Operation und die Zeit danach berichtet der 42-Jährige im Interview mit apropos.

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Herr Dr. Sanders, wann und wie machten sich erste Beschwerden an Ihrer Hand bemerkbar?
Dr. Sanders: Ich hatte erstmals vor gut zehn Jahren im Rahmen meiner schriftlichen Examensprüfung Schmerzen. Insbesondere nach schnellem Schreiben habe ich ein Taubheitsgefühl in meiner rechten Hand verspürt, was ich damals auf die Ausnahmesituation der Prüfung und den Zeitdruck, unter dem schriftliche Arbeiten anzufertigen waren, zurückführte. Im Laufe der Zeit haben die Schmerzen aber immer mehr zugenommen.

Wie sehr haben die Beschwerden Sie im Alltag beeinträchtigt?
Dr. Sanders: Da das Karpaltunnelsyndrom bei mir beidseitig auftauchte, haben mich die Beschwerden im letzten Jahr vor den Operationen massiv beeinträchtigt. Nicht nur, dass ich zum Schluss weder einen Stift richtig halten oder länger als ein paar Sekunden die Computertastatur bedienen konnte, ohne dass sich das Kribbeln und ein Taubheitsgefühl bemerkbar machten. Dieselben Symptome traten nach kurzer Zeit selbst dann auf, wenn ich beim Telefonieren den Arm angewinkelt habe. Auch beim Essen hatte ich Schwierigkeiten, sodass mir zum Schluss wiederholt Messer und Gabel aus der Hand gefallen sind. Damit das nicht wieder passiert, habe ich das Besteck fest mit der Hand umklammert. Für Unbeteiligte muss es so ausgesehen haben, als hätte ich keine Tischmanieren.

Karpaltunnel – was ist das eigentlich?
Der Karpaltunnel ist eine tunnelartige Röhre, die sich ungefähr in Höhe des Handgelenks zwischen der Daumenballen- und der Kleinfingermuskulatur befindet und zur Tiefe hin von den Handwurzelknochen und zur Oberfläche hin vom Karpalband begrenzt wird.

Dr. Sebastian Sanders, Jurist und seit März 2020 Beigeordneter und Sozialdezernent der Stadt Recklinghausen, hat sich in der Klinik für Plastische Chirurgie, Hand- und Verbrennungschirurgie an der Uniklinik RWTH Aachen einer minimal-invasiven, videoendoskopischen Karpaltunnelspaltung unterzogen. Heute weiß er: Seine Bedenken vor der OP waren unbegründet.

Sie waren zum Zeitpunkt der OP Beigeordneter und Sozialdezernent der Stadt Niederkassel und beruflich stark eingebunden. Wie lief das ab mit Fahrten von A nach B, konnten Sie überhaupt noch Auto fahren?
Dr. Sanders:
Das ging eher schlecht als recht und war, zugegebenermaßen, manchmal auch gefährlich. In den letzten Wochen vor der OP musste ich einen Arm immer lang nach unten strecken, um wieder Gefühl in der Hand und in den Unterarm zu bekommen. Bei dieser Maßnahme verschwanden die Symptome sehr schnell. Aber einhändiges Autofahren ist natürlich äußerst gefährlich. Zum Glück ist immer alles gut gegangen.

Von den ersten Beschwerden bis zur OP sind circa acht Jahre vergangen. Wann und warum haben Sie für sich den Entschluss gefasst, sich operieren zu lassen?
Dr. Sanders: Ich war 2018 wegen orthopädischer Beschwerden in der Uniklinik RWTH Aachen und habe in diesem Zusammenhang auch die Probleme mit dem Taubheitsgefühl in meinen Unterarmen und den Händen erwähnt. Die Orthopäden haben mich dann an Herrn Prof. Beier und sein Team von der Klinik für Plastische Chirurgie, Hand- und Verbrennungschirurgie verwiesen, der mir die Methode der endoskopischen Karpaltunnelspaltung vorstellte. Das hat mich überzeugt. Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich mich schon viel früher für einen operativen Eingriff hätte entscheiden sollen. Aber eine OP an der Hand – das schiebt man natürlich gerne auf.

Was ist das Karpaltunnelsyndrom (KTS)?
Unter dem Karpaltunnelsyndrom (KTS) versteht man eine Nerveneinklemmung an der Hand. In Höhe des Handgelenkes spannt sich zwischen Daumen- und Kleinfingermuskulatur ein straffes Band aus. Dieses Band (Retinaculum flexorum) ist das Dach des Karpaltunnels, der den Mittelarmnerv (Nervus medianus) und die Beugesehnen der Finger und des Daumens enthält. Beim KTS wird dieser Kanal zu eng und es entsteht Druck auf den Nervus medianus.
Typische Symptome für das KTS sind nächtliche Schmerzen, Gefühlsstörungen an Daumen, Zeige- und Mittelfinger und in Spätstadien sogar Lähmungserscheinungen am Daumenballen.
Die genaue Ursache oder der Auslöser für das Karpaltunnelsyndrom ist meist unbekannt. In seltenen Fällen sind eine Überbelastung der Hand wie zum Beispiel regelmäßiges Schreiben auf der Computertastatur, häufiges Fahrradfahren oder frühere Brüche im Handgelenksbereich als Ursache zu identifizieren. Auch hormonelle Veränderungen, beispielsweise in der Schwangerschaft, oder Schilddrüsenerkrankungen können zum Karpaltunnelsyndrom führen. Konservative Maßnahmen wie eine Schienenruhigstellung des Handgelenkes können in milden Fällen Abhilfe schaffen. Die Mehrzahl der genannten Beschwerden ist auf lange Sicht allerdings nur operativ zu beheben.

Wie ist die OP aus Ihrer Sicht verlaufen?
Dr. Sanders: Ich wurde am 13. Dezember 2018 an der rechten und am 17. Januar 2019 an der linken Hand operiert. Beide Operationen sind sehr gut verlaufen. Pro Hand dauerte der Eingriff mit Vor- und Nachbereitung nur rund eine halbe Stunde – dass es so schnell geht, hätte ich im Vorfeld nicht vermutet. Die Fäden wurden circa zwei Wochen nach dem Eingriff in einer Praxis ambulant entfernt. Heute sind für andere keine Spuren mehr erkennbar. Ich habe lediglich eine sehr kleine, praktisch kaum sichtbare OP-Narbe am jeweiligen Handgelenk davongetragen.

Wie funktioniert die minimal-invasive, videoendoskopische Karpaltunnelspaltung? Hierbei wird über einen kleinen Hautschnitt eine Kamera in das Gewebe eingeführt und der Engpass gewebeschonend und mit geringer Narbenbildung beseitigt. Der Eingriff erfolgt in der Regel ambulant und in örtlicher Betäubung. Eine Ruhigstellung ist nach der OP nicht erforderlich, eine Bewegung der Finger und des Handgelenks ist direkt nach OP bereits vorgesehen. Eine Vollbelastung sollte spätestens zwei Wochen nach der OP wieder möglich sein. (© Henrie – stock.adobe.com)

Nach den Operationen mussten Sie sicher lange pausieren und Ihre Hand schonen, oder?
Dr. Sanders: Direkt nach der OP hätte ich die Hand schon wieder bewegen dürfen, aber ich habe sie sicherheitshalber drei bis vier Tage ruhig gehalten. Dann konnte ich wieder mit der Hand greifen und sie anspannen. Ich brauchte auch keine Physiotherapie oder sonstigen Übungen machen. Was mich besonders positiv überrascht hat: Ich hatte nach der Operation keinerlei Schmerzen oder sonstigen Nebenwirkungen.

Können Sie Ihre Hände mittlerweile wieder nutzen wie früher?
Dr. Sanders: Ja, und darüber freue ich mich sehr. Beide Hände waren schon circa eine Woche nach der Operation wieder voll funktionstüchtig. Beschwerden sind seitdem nicht wieder aufgetreten.

Herr Dr. Sanders, wir wünschen Ihnen, dass das so bleibt! Vielen Dank für das Gespräch.


Kontakt

Klinik für Plastische Chirurgie, Hand-und Verbrennungschirurgie
Uniklinik RWTH Aachen
Klinikdirektor: Univ.-Prof. Dr. med. Justus P. Beier
www.plastische-chirurgie.ukaachen.de

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