Zahnpasta und Pickel: Hilft das wirklich?

Geben Sie es zu: Auch Sie haben schon einmal an einem Pickel herumgedrückt, wohlwissend, dass man das eigentlich besser nicht tun sollte. Oder ist das vielleicht gar nicht so schädlich, wie es immer heißt? apropos deckt die gängigsten Mythen zu Akne und gesunder Haut auf.

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Zahnpasta hilft gegen Pickel

Falsch! Schön wäre es: Schnell etwas Zahnpasta auf den Pickel und morgen früh ist er weg? Bitte nicht! Zahnpasta wirkt zwar antiseptisch und entzieht der Entzündung Flüssigkeit, doch in ihr befinden sich auch Inhaltsstoffe, die der Haut nicht guttun. Aromastoffe wie Menthol, aber auch Fluor irritieren die äußere Schutzhülle und können die Entzündung verstärken. So kann die Entstehung von Mitessern durch eine „Behandlung“ mit Zahnpasta sogar gefördert und die Haut zusätzlich gereizt werden.

Unser Tipp: Lieber zu einem abschwellenden Anti-Pickelstift greifen oder eine talgregulierende Gelcreme punktuell einsetzen.

Naturkosmetik ist immer besser

Falsch! Naturkosmetik liegt zwar im Trend, der Begriff ist aber nicht geschützt und auch nicht gesetzlich definiert. Besonders bei empfindlicher Haut ist daher Vorsicht geboten: Ein hoher Grad an natürlichen Essenzen, Ölen und Wirkstoffen kann unter Umständen ein höheres allergisches Risiko bergen. Bei empfindlicher Haut kann es so leichter zu Reaktionen kommen. Synthetische Inhaltsstoffe sind manchmal sogar verträglicher oder wirksamer.

Unser Tipp: Natürliche, aber aufgereinigte Wirkstoffe – wie zum Beispiel Bisabolol anstelle des Kamillenextrakts, der zu allergischen Reaktionen führen kann – entfalten ihre Wirksamkeit und sind dabei besonders verträglich.

Sonnenschein kann Akne lindern

Vielleicht! Tatsächlich hat UV-Licht gewisse antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaften, die das Hautbild durchaus verbessern können. So lässt sich mithilfe einer Phototherapie, bei der dosiertes UV-Licht eingesetzt wird, eine Akne kurzfristig lindern. Inwieweit aber maßvoll dosiertes Sonnenlicht und künstliche UV-Strahlung wirklich gegen Akne helfen, ist noch nicht ausreichend wissenschaftlich untersucht. Fest steht: Zu lange Sonnenbäder oder der regelmäßige Gang ins Solarium können eine Akne sogar auslösen.

Unser Tipp: Schützen Sie Ihre Haut vor zu viel Sonne, sonst drohen Hautschäden.

Pickel entstehen durch Chips und Schokolade

Falsch! Chips und Schokolade gehören bestimmt nicht zu den gesündesten Lebensmitteln. Aber die alleinige Schuld an einer Akne haben sie nicht. Ungesunde Ernährung kann zwar in manchen Fällen und neben vielen anderen Faktoren die Entstehung einer Akne begünstigen. Und manche Menschen spüren eine Verbesserung des Hautbilds, wenn sie auf bestimmte Lebensmittel, etwa Schokolade, verzichten. Bisher konnte man in Studien jedoch keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Ernährung und der Entstehung oder Linderung einer Akne nachweisen. Tatsächlich neigen sogar vermeintlich gesunde Lebensmittel wie Milch und Zitrusfrüchte eher dazu, Unreinheiten zu verursachen als fettiges Essen.

Unser Tipp: Schokolade und Fettiges nur in Maßen genießen.

Akne entsteht durch mangelnde Hygiene

Falsch! Pickel mögen zwar unhygienisch aussehen, haben aber mit nachlässiger Pflege nichts zu tun. Sie entwickeln sich, wenn die Haut zu viel Hornsubstanz bildet (Hyperkeratose) und die Talgdrüsen gleichzeitig zu viel Talg produzieren. Bestimmte Faktoren wie etwa hormonelle Umstellungen, Medikamente oder Nikotinkonsum können diesen Prozess auslösen oder verstärken. Mangelnde Hygiene gehört aber nicht dazu. Oft ist sogar das Gegenteil der Fall: Die Betroffenen reinigen ihr Gesicht zu häufig und mit aggressiven, austrocknenden Waschsubstanzen. Dies führt zu einer Schädigung der Hautbarriere, sodass die Entstehung von Unreinheiten begünstigt wird.

Unser Tipp: Mit einer pH-Wert-­regulierenden Reinigung wird die Hautbarriere gestärkt und die Regeneration des Hydrolipidfilms optimal unterstützt.

Kleine Leberflecken sind ungefährlich

Falsch! Auch wenn kleine Leberflecken nicht so bedrohlich aussehen mögen, kann auch aus ihnen ein bösartiges Karzinom entstehen. Entscheidend ist nämlich weniger die Größe des Flecks, sondern vielmehr die Form und dessen Farbe. Hautärzte raten, die sogenannte ABCDE-Regel anzuwenden: So können asymmetrische Formen (A), unregelmäßige Begrenzungen (B) und Färbungen (Color), ein veränderter Durchmesser (D) und die Erhabenheit (E) eines Leberflecks auf bösartige Veränderungen hindeuten.

Unser Tipp: Lassen Sie auffällige Bereiche frühzeitig von einem Hautarzt untersuchen.

Akne hat man nur in der Pubertät

Falsch! Auch wenn in den meisten Fällen Jugendliche die Leidtragenden sind, kann Akne auch Erwachsene treffen oder einfach über die Jahre bestehen bleiben. Und auch Erwachsene, die in ihrer Jugend nie mit Pickeln Probleme hatten, können später eine Akne entwickeln. Schuld sind meist genetische Ursachen oder ein hormonelles Ungleichgewicht. Vor allem Frauen sind betroffen, etwa in der Schwangerschaft, in den Wechseljahren oder durch die Einnahme einer falschen Anti-Baby-­Pille. Gleichzeitig kann Stress als Ursache eine wichtige Rolle spielen.

Unser Tipp: Gehen Hormonumstellungen mit Hautunreinheiten einher, ist neben Frauen- und Hautarzt auch der Endokrinologe (Facharzt für Hormone) der richtige Ansprechpartner.


Mehr erfahren?

Es gibt zahlreiche weitere Mythen rund um unsere Haut. In unserem YouTube-Video „Richtig oder falsch? – Haut“ erklärt Priv.-Doz. Dr. med. Laurenz Schmitt aus der Klinik für Dermatologie und Allergologie – Hautklinik an der Uniklinik RWTH Aachen, ob Wasser gegen Falten hilft und wie gut tägliches duschen tut.