Infektion, nein danke!

Fußpilz, Dellwarze, Eiterflechte: Niemand spricht gerne über Infektionen der Haut. Doch auch wenn ihre Namen nicht sonderlich appetitlich anmuten, ist wichtig zu wissen: Sind Hautinfektionen einfach nur lästig oder auch gefährlich?

Wer im Schwimmbad oder in Umkleideräumen Badeschlappen trägt, beugt Fußpilz vor. So wird der Kontakt mit befallenen Hautschuppen oder kontaminierten Flächen verhindert. Grundsätzlich gilt: Je mehr Menschen an einem Ort barfuß laufen, desto größer ist die Ansteckungsgefahr für Fußpilz. (© Goffkein – stock-adobe.com)

Einmal mit dem Küchenmesser abgerutscht, schon hat man sich in den Finger geschnitten. Oder die Wärmflasche ein bisschen zu heiß befüllt – Brandblase. Und die Zehen jucken seit dem letzten Schwimmbadbesuch so sehr … Unsere Haut kann auf vielerlei Arten geschädigt werden. Welche Folgen eine Verletzung der Haut mit sich bringt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Welcher Erreger steckt dahinter? Wie hygienisch wird die Verletzung versorgt? Aber der Reihe nach: Wie kommt es überhaupt zu einer Infektion der Haut, Nägel oder Haarfollikel?

Gestörte Hautbarriere

Etwa eine Billion Bakterien besiedeln unsere Haut. Wie ein Schutzschild wehren sie schädliche Einflüsse von außen ab. Das funktioniert in der Regel gut – bei einer gesunden Haut. Ist die Haut verletzt, können unsere hauteigenen Bakterien vom Retter zum Angreifer werden und Infektionen verursachen. Auch andere Mikroorganismen können dann in die Haut eindringen. Nützlich sind Eindringlinge wie fremde Bakterien oder Pilze, Viren und Parasiten nicht, sie verursachen ausschließlich Krankheiten.

„Die meisten Infektionen der Haut können gut und unkompliziert behandelt werden. Vorbeugend ist vor allem eine ausreichende Hygiene wichtig, um so die Ansteckungsgefahr zu verringern. In ausgeprägten Fällen, wie zum Beispiel bei einer Wundrose, kann eine stationäre Behandlung in der Klinik erforderlich sein. Hier kommen je nach vorliegender Erkrankung zielgerichtete, an den Erreger angepasste moderne lokale oder systemische medikamentöse Behandlungen zum Einsatz.“
Univ.-Prof. Dr. med. Amir Yazdi, Klinik für Dermatologie und Allergologie – Hautklinik, Uniklinik RWTH Aachen

Hautinfektionen sind keine Seltenheit. Meistens sind es Bakterien oder Pilze, die Hautinfektionen auslösen, häufig aber auch Viren oder Parasiten, wie zum Beispiel die Krätzmilbe. Die häufigste Pilzerkrankung beim Menschen ist der Fußpilz, der sehr lästig sein kann, aber auf die Haut beschränkt bleibt. Hat der Pilz allerdings einmal die Schutzschicht der Haut überwunden, ebnet das den Weg für weitere Eindringlinge. Bakterien können dann zusätzlich zum Pilzbefall Entzündungen auslösen. Sie sind es auch, die Furunkel, Wundrosen oder Nagelbettentzündungen verursachen.

Selbstmedikation nur bedingt ratsam

Je nach Ursprung der Hautinfektion unterscheiden sich sowohl die Symptome als auch die Behandlungsmöglichkeiten. Die Anzeichen für eine Hautinfektion entsprechen den Begleit­erscheinungen einer Entzündung: Schwellung, Rötung, Überwärmung, Schmerzen und Funktionsverlust des entzündeten Gebiets. Viele Menschen behandeln Hautinfektionen durch Selbstmedikation. Mit entzündungshemmenden Salben oder Umschlägen klappt das in der Regel gut. Vorsicht ist allerdings angebracht, sobald mehrere dieser Entzündungszeichen auftreten oder bei Allgemeinsymptomen wie Fieber, Schüttelfrost oder starken Schmerzen. Ärztlicher Rat ist ebenfalls erforderlich, wenn sich Schwellungen und Rötungen rasch ausbreiten, Blasen oder Eiter auftreten. Auch weiße oder bläulich-dunkle Verfärbungen der betroffenen Hautregion sollten von einem Hautarzt untersucht werden. Achtung: Bei reduziertem Allgemeinzustand und den Symptomen Fieber, Schüttelfrost oder Abgeschlagenheit ist Eile geboten, da es sich um eine lebensgefährliche Blutvergiftung handeln kann.

Liegt eine bakterielle Infektion vor, werden an den Erreger angepasste Antibiotika verabreicht. Bei Pilzerkrankungen können pilzhemmende Mittel, sogenannte Antimykotika, helfen, bei der Krätzmilbe äußerliche oder systemische Medikamente, die Milben töten. Die Behandlung sollte in jedem Fall nach Anweisung des behandelnden Arztes durchgeführt werden, damit sich keine Unempfindlichkeiten der Erreger, die sogenannten Resistenzen, gegen das Behandlungsmittel bilden. So vermeidet man Rückfälle oder bleibende Schäden.

apropos Infektion

Auch die sexuell übertragbaren Infektionen gehören zum Fachgebiet der Dermatologie. Daher ist die Klinik für Dermatologie und Allergologie – Hautklinik an der Uniklinik RWTH Aachen eine Anlaufstelle für Betroffene. Wie Sie sich vor sexuell übertragbaren Infektionen schützen können, erfahren Sie hier.

Achtung, Ansteckungsgefahr!

Je nach Übertragungsweg kann man sich auf unterschiedliche Art vor Hautinfektionen schützen. Damit es idealerweise gar nicht erst zu einer Entzündung kommt, sollten kleine Verletzungen gesäubert und gegebenenfalls desinfiziert werden. Die betroffene Stelle sollte nicht berührt und am besten mit einem Pflaster oder einem Wundverband abgedeckt werden. Das schützt die Wunde nicht nur vor einer Infektion – die meisten Hautkrankheiten werden schließlich durch Schmierinfektionen übertragen –, sondern auch andere vor dem seltenen Fall einer Ansteckung durch direkten Hautkontakt. Eine gute Hygiene ist hier das A und O.


Hautinfektionen: Die vier wichtigsten Erreger

Pilzinfektion

Hautpilz ist eine Pilzinfektion der Haut oder ihrer Anhangsgebilde wie Haare oder Nägel. Auch die Schleimhaut kann von Hefepilzen befallen sein. Welche Symptome an welcher Körperstelle auftreten, hängt vom jeweiligen Erreger ab. Behandelt wird Hautpilz in der Regel mit Antipilzmitteln, sogenannten Antimykotika. Die häufigste Pilzinfektion ist der Fußpilz.

Virusinfektion

Es gibt Viren, die manche Menschen nach einer Erstinfektion nie wieder los werden. Das Herpesvirus ist so ein Fall: Wer einmal Genital- oder Lippenherpes hatte, hat häufig immer wieder damit zu tun. Herpesviren bleiben im Körper und können immer wieder reaktiviert werden, sogar nach Jahrzehnten. Die Gürtelrose, die oft Jahrzehnte nach einer Windpockeninfektion auftritt, kann mit starken Schmerzen einhergehen. Auch hier wird ein Virus der Familie der Humanen Herpesviren (HHV) reaktiviert. Ferner gibt es noch die Humanen Papillomviren (HPV) als Erreger von Warzen und die Pockenviren/Poxviren, die für Dellwarzen verantwortlich sind. Zum Schutz vor Windpocken, HPV-Viren und dem Zoster stehen wirksame Impfungen zur Verfügung.

Bakterielle Infektion

Bakterielle Hautinfektionen werden hauptsächlich durch Staphylokokken oder Streptokokken verursacht und können verschiedene Hautschichten sowie die Hautanhangsgebilde betreffen. Zu den häufigsten Infektionen zählen unter anderem Borken- und Eiterflechte, die Entzündung der Haare als Follikulitis oder Furunkel, die durch Zecken übertragene Wanderröte und die Wundrose, das Erysipel, das oft am Unterschenkel oder Gesicht auftritt. Mehrheitlich sind unkomplizierte bakterielle Infektionen problemlos ambulant zu behandeln. Eine Ausnahme stellt die Wundrose dar, die lebensbedrohlich verlaufen kann. Sie erfordert ebenso wie seltene komplizierte Verläufe der anderen Hautinfektionen eine stationäre dermatologische Behandlung.

Infektion durch Parasiten

Die Skabies, im Volksmund auch Krätze genannt, ist eine ansteckende Hautkrankheit, die durch Milben verursacht wird. Die Weibchen der Skabiesmilbe graben sich in die obere Hautschicht ein und legen dort ihre Eier ab. Typische Symptome sind starker Juckreiz und gerötete, schuppige kleine Papeln und Knötchen, die oft an den Händen oder im Genitalbereich beginnen.