Alles ganz anders. Oder?

Im nächsten Jahr werde ich alles anders machen! Ganz sicher! Oder? Nach dem Silvesterrausch sind die guten Neujahrsvorsätze meist schnell vergessen. Warum ist es so schwer, sich zu ändern? Und wie gelingt es, an Vorhaben festzuhalten?

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Haben Sie schon aufgegeben, sich etwas fürs neue Jahr vorzunehmen, an dem Sie vermutlich früher oder später scheitern werden? Oder gehören Sie zu denjenigen, die sich zum Jahreswechsel große Ziele für das kommende Jahr stecken? Mehr Sport treiben, weniger Zeit in sozialen Medien verbringen und sich gesünder ernähren oder besser gleich Vegetarier werden. Kommt Ihnen einer dieser guten Vorsätze bekannt vor? Es waren laut dem Statistikportal Statista die beliebtesten guten Vorsätze für das Jahr 2020.

Egal wie das Vorhaben lautete – sofern Sie denn überhaupt eins hatten –, viel wichtiger ist doch: Wie lange haben Sie es konsequent eingehalten? Nur jeder Fünfte bricht seine Neujahrsvorsätze nicht, besagt ebenfalls eine Statista-­Umfrage aus dem Jahr 2019. 80 Prozent der Deutschen sind da nicht so konsequent – wobei bei 27 Prozent die Vorsätze immerhin mehr als zwei Monate halten. Es drängt sich die Frage auf: Warum haben die meisten Menschen Probleme damit, ihre Lebensgewohnheiten zu ändern?

Aller Anfang ist schwer

„Gute Vorsätze beziehen sich in der Regel auf Angewohnheiten, die man schon lange pflegt. Der Ausdruck ‚Macht der Gewohnheit‘ kommt nicht von ungefähr: Es erfordert einige Anstrengung, alte Lebensgewohnheiten zu ändern“, weiß Univ.-Prof. Dr. med. Timm Pöppl, Leitender Oberarzt in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an der Uniklinik RWTH Aachen. „Wer sich seit Jahren sein Feierabend-Bier auf dem Sofa gönnt, hat natürlich Schwierigkeiten, das von jetzt auf gleich gegen eine abendliche Joggingrunde an der frischen Luft einzutauschen.“ Sprich: Aus einer Couchpotato wird nicht gleich ein Sportfreak.

Gut gemeinte Ziele werden oft zu hoch gesteckt. Der Experte rät daher, sich nicht zu viel vorzunehmen: „Am aussichtsreichsten sind kleine, überschaubare Schritte“, so Prof. Pöppl. „Wenn man seine Ziele vorab präzise formuliert, hat man die größte Chance auf Erfolg. Auch Teilziele, die uns Zwischenerfolge spüren lassen, können helfen.“ Für die Couchpotato gilt also, nicht sofort jeden Abend das Sofa gegen die Laufschuhe einzutauschen. Im ersten Monat kann es pro Woche ein Spaziergang am Abend sein, im zweiten Monat wird daraus eine wöchentliche Joggingrunde, im dritten Monat gibt es an zwei Wochentagen Bewegung. Das Ziel heißt also nicht „mehr Sport machen“, sondern jeden Monat einen Schritt weiter zu gehen. Wichtig ist, sich vorab über notwendige Verhaltensänderungen Gedanken zu machen, Rückschläge einzukalkulieren (seien Sie gnädig mit sich!) und vor allem: nicht zu viel von sich zu erwarten. Wer das tut, wird sich eher früher als später selbst enttäuschen. Machen Sie sich klar: Es zählt jeder kleinste Schritt.

Motivation ist entscheidend

Ein konkreter Aktionsplan ist das eine, das andere ist die innere Einstellung. Sie ist die viel wichtigere Zutat für das erfolgreiche Einhalten der Neujahrsvorsätze. Wer Vorhaben aus einer Sektlaune an Silvester heraus angeht, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Scheitern verurteilt. „Das Vorhaben muss einem selbst ein Anliegen sein. Wenn es mir nicht wirklich wichtig ist oder ich mich für andere Menschen verändern will, werde ich nicht weit kommen“, sagt Prof. Pöppl. Das gilt übrigens nicht nur für Neujahrsvorsätze. Erfolgreich ist eher, wer mit Herzblut dabei ist oder einen sehr hohen Leidensdruck hat. Menschen mit der richtigen inneren Motivation und einem grundsätzlichen Glauben an Veränderbarkeit erreichen eher ihre gesteckten Ziele und, was nicht zu unterschätzen ist, können besser mit Misserfolgen umgehen.

Viele Wege führen zum Ziel

Wer aus dem Neujahrsritual also mehr als ein solches machen möchte, wer wirklich etwas ändern will, muss sich genau mit seinen Zielen auseinandersetzen. Nehmen Sie sich Zeit und denken Sie in Ruhe über Ihre Vorhaben nach. „Verfolgen Sie nur Vorsätze, mit denen es Ihnen wirklich ernst ist. Und berücksichtigen Sie immer, was für ein Typ Sie sind und welche Vorlieben Sie haben“, rät Prof. Pöppl. Wenn die Couchpotato nichts schrecklicher findet als zu joggen, sollte sie lieber eine andere Aktivität in Erwägung ziehen. Grundsätzlich gelte, so der Fachmann: „Es gibt immer mehrere Wege, um ans Ziel zu kommen. Suchen Sie einen, der wirklich zu Ihnen passt.“ Dann gehören Sie im nächsten Jahr mit größerer Wahrscheinlichkeit zu den unbeirrten 20 Prozent, die ihre guten Vorsätze nicht brechen. Viel Erfolg!