Keine Angst: Kindern Krankheiten erklären

Mama trägt im Sommer eine Mütze und Opa legt seine Brille in den Kühlschrank. Dass dahinter Erkrankungen wie Krebs oder Demenz stecken, erkennen Erwachsene sofort. Kinder hingegen können nur schwer nachvollziehen, was hier passiert. Damit sich keine Ängste oder Schuldgefühle entwickeln, ist es wichtig, mit Kindern über Krankheiten zu sprechen.

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Mit Kindern über Krankheiten zu reden, stellt Erwachsene vor große Herausforderungen. Eine Grippe zu erklären, trauen sich sicherlich noch die meisten zu. Aber wie sieht es bei länger andauernden, schwerwiegenderen Erkrankungen aus, bei Krebs, einer Depression oder Demenz? Wichtig ist vor allem, überhaupt zu reden – in einer kindgerechten Art und Weise. Und vielleicht hilft auch zu wissen: 1. Es gibt nicht nur den einen, richtigen Weg, Kindern eine Krankheit zu erklären. Und 2. Kinder sind belastbarer, als mancher Erwachsene denkt.

Die Leere füllen

Wenn ein Familienmitglied oder eine nahestehende Person schwer erkrankt, treten unweigerlich Veränderungen auf. „Kinder sind sehr feinfühlig und spüren, dass etwas nicht stimmt“, erklärt Univ.-Prof. Dr. med. Beate Herpertz-Dahlmann, Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Uniklinik RWTH Aachen. „Ein aufklärendes Gespräch ist enorm wichtig, da ansonsten eine Leere entsteht. Diese Leere füllen Kinder mit ihrer Fantasie, mit Ängsten oder sogar Schuldgefühlen.“

Die Ärztin rät, so früh wie möglich mit Kindern über Erkrankungen zu sprechen – aber erst, nachdem der Erwachsene selbst die allererste Reaktion auf die Diagnose verarbeitet hat. Es hilft Kindern nicht, wenn Eltern eine Erkrankung verschweigen. „Wir können Kinder nicht davor bewahren, dass es Krankheiten gibt“, so Prof. Herpertz-Dahlmann, „aber wir können sie bestmöglich beim Verarbeiten der neuen Informationen unterstützen.“

Ehrlich sein

Dazu zählt vor allem ein offener Umgang. „Kinder, insbesondere junge Kinder, müssen nicht alles wissen, aber was sie erfahren, sollte der Wahrheit entsprechen“, sagt die Expertin. „Das stärkt das Vertrauen untereinander. Wer nicht die Wahrheit sagt, riskiert Misstrauen, Angst und einen Rückzug des Kindes.“ Kinder dürfen keine Angst haben, ihre Fragen zu stellen. Es muss deutlich sein, dass ihre Sorgen ernst genommen werden: Dumme Fragen gibt es nicht.

Hilfreich ist auch zu thematisieren, was sich im Rahmen der Erkrankung nicht ändert. Das vermittelt eine gewisse Konstanz und Sicherheit. Das Gespräch sollte sich außerdem um das Hier und Jetzt drehen. Dinge, die in der Zukunft liegen und nicht vorhersehbar sind, können Kinder nur schwer greifen und schüren im Zweifel Ängste.

Altersgerecht aufklären

Wie detailliert über eine Erkrankung gesprochen werden kann, hängt vom Alter des Kindes ab. Schulkindern oder Jugendlichen können Erwachsene mehr zumuten als Klein- und Kindergartenkindern. „Wichtig ist, das Kind altersgerecht aufzuklären“, sagt Prof. Herpertz-Dahlmann. Ratgeber und Beratungsstellen können helfen, die Situation einzuordnen und die richtige Menge an Informationen zu finden.

Egal wie alt das Kind ist, eine wichtige Botschaft können Erwachsene ihren Kindern in jedem Alter mit auf den Weg geben: respektvoll mit dem Erkrankten umzugehen. Auch wenn Opa seine Brille in den Kühlschrank legt, ist das kein Grund, ihn damit zu ärgern oder gar zu verachten.


Kinderleicht erklärt:

Unter dem Schlagwort „Kinderleicht erklärt“ erklären wir Erkrankungen oder Körperfunktionen. Alle Beiträge finden Sie in der Rubrik „Familie & Kultur“.

Es gibt auch zahlreiche Bücher, mit deren Hilfe man Kindern Krankheiten erklären kann. Empfehlungen zum Thema Demenz gibt zum Beispiel die Deutsche Alzheimer Gesellschaft auf ihrer Website, bei Krebs ist die Deutsche Krebshilfe eine nützliche Informationsstelle.