Psychoedukation: vom Laien zum Experten

Demenz bedeutet für Patienten und Angehörige zunächst einen Schock, denn jeder kennt die Prognose: Häufig verschlechtert sich eine Demenz sukzessive. Doch man kann auch lernen, mit ihr zu leben.

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Der Begriff „Edukation“ ist abgeleitet von dem lateinischen Wort „educare“, was übersetzt das „Herausführen“ der Patienten und Angehörigen aus dem Zustand der Unwissenheit und der Unerfahrenheit meint. Unter „Psychoedukation“ versteht man daher den Versuch, komplizierte medizinische Fakten so zu übersetzen, dass betroffene Patienten und ihre Familien sie gut nachvollziehen können. Im Rahmen der Psychoedukation erfahren sie einerseits etwas über die Entstehungsbedingungen, den Verlauf und die Behandlungsmöglichkeiten. Andererseits erlangen sie Kompetenzen, um den Alltag mit der Erkrankung besser meistern zu können. Besonders wirksam ist Psychoedukation, wenn sie in Gruppen erfolgt. Darum bietet die Gedächtnisambulanz der Klinik für Neurologie an der Uniklinik RWTH Aachen unter Leitung von Univ.-Prof. Dr. med. Kathrin Reetz eine Informationsreihe für Patienten mit kognitiven Störungen oder einer Demenz und deren Angehörige an.

„Den Teilnehmenden hilft es, sich untereinander auszutauschen, zum Beispiel über Erfahrungen mit Therapien oder Unterstützungsmöglichkeiten seitens Krankenkassen, Vereinen und Gesellschaften“, erklärt die Neuropsychologin Dr. phil. Ines Ann Heber aus der Gedächtnisambulanz. Jeden ersten Freitag im Monat trifft sich die Gruppe nachmittags in der Aachener Uniklinik. Am Anfang steht ein Expertenvortrag, beispielsweise eines Arztes aus der Gedächtnisambulanz, einer Psychologin oder eines Sozialarbeiters, dann folgt eine offene Diskussionsrunde. Dabei werden Themen wie Fahreignung bei Demenz, medikamentöse und nichtmedikamentöse Therapieansätze oder sozialrechtliche Aspekte besprochen. Mit Blick auf das Alter ist die Gruppe bunt gemischt: Die Spanne reicht von 50 bis 85 Jahren. „Jeder, der an einer Demenz erkrankt ist oder einen demenzkranken Angehörigen hat, ist bei uns herzlich willkommen“, betont Dr. Heber.

Die Gedächtnisambulanz der Uniklinik RWTH Aachen besteht aus einem ärztlichen und einem psychologischen Team, das für die Diagnose und Therapie von Demenzpatienten zuständig ist. „Ist der Verdacht auf eine kognitive Störung oder Demenzerkrankung gegeben, führen wir eine ärztliche und eine neuropsychologische Untersuchung durch“, berichtet Dr. phil. Ines Ann Heber. Mithilfe von Befragungen und psychologischen Tests beurteilen die Experten, ob es bei dem Patienten Hinweise auf einen geistigen Leistungsabbau gibt. Dabei werden unterschiedliche Funktionen des Gehirns untersucht, die zur Bewältigung des Alltags unerlässlich sind. Dazu gehören unter anderem Konzentrationsfähigkeit, Sprache und Wahrnehmung.

„Bestätigt sich der Verdacht, erfolgen Zusatzuntersuchungen wie die zerebrale Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) oder Labor- und Nervenwasseruntersuchungen während eines kurzen stationären Aufenthaltes, um die Ursache der kognitiven Störung oder der Demenz zu klären “, erklärt Prof. Reetz.

Kennt man die Ursache der kognitiven Störung, können entsprechende Therapiemaßnahmen eingeleitet werden. Dabei setzt das Team auf die Kooperation mit dem jeweiligen behandelnden Hausarzt und Neurologen.


Psychoedukation: Infoveranstaltung für Patientinnen und Patienten mit Demenz und deren Angehörige in der Uniklinik RWTH Aachen

Die Termine und Themen finden Sie auf der Website der Klinik für Neurologie. Zur besseren Planung wird um eine vorherige Anmeldung unter der Telefonnummer 0241 80-85128 gebeten.

Die Klinik für Neurologie führt übrigens auch eine Reihe an wissenschaftlichen und klinischen Studien durch. Bei Interesse besuchen Sie gerne die Website www.neuroscience-aachen.de.