Zu Besuch in der Printenbäckerei Nobis

Traditionsreich und einfach lecker: Die Aachener Printe schmeckt nicht nur zur Weihnachtszeit

© Nobis Printen

Die unscheinbare Kiste in der Ecke der Backstube hat es in sich. Auf ihrem Inhalt gründet der enorme Erfolg der Aachener Printe und er ist gleichzeitig das große Geheimnis, das eine Printe zu einer besonders guten Printe macht. Michael Nobis nimmt eine große Hand des braunen, duftenden Pulvers aus der Kiste, führt es andächtig zur Nase und riecht daran. Er schaut vielsagend. „Diese Gewürzmischung macht die Printe aus“, sagt er. „Und da hat jeder Bäcker sein eigenes Rezept. Streng geheim selbstverständlich.“

Überall beliebt

In der Backstube der Nobis Printenbäckerei geht es geschäftig zu. Bald ist Weihnachten und da ist neben den üblichen Broten, Brötchen, Kuchen und Gebäcken vor allem eines heiß begehrt – die Printe. Natürlich läuft der Verkauf das ganze Jahr über, doch nach wie vor ist die Weihnachtszeit die eigentliche Saison für das Traditionsgebäck mit dem feinen, herb-süßen Aroma. Soviel sei verraten: Anis, Koriander, Zimt, Piment, Kardamom und Nelken gehören in des Aacheners liebstes Backwerk hinein – nur das Mischungsverhältnis variiert jeder der rund 30 Öcher Printenbäcker. So ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Einst als Pilgerbrot konzipiert, das vor allem lange halten sollte, erfreut sich die Printe heute bei Süßmäulern aus der ganzen Welt großer Beliebtheit. Kaum ein Tourist verlässt die Stadt ohne die süße Leckerei. Firmen schicken sie als Grüße an Geschäftspartner ins In- und Ausland, Studenten nehmen sie mit in die Heimat. Und natürlich „zoppt“ auch der Aachener selbst gerne den ein oder anderen „Prentemann“ in seinen Kaffee oder genießt ihn mit Schokolade überzogen einfach so.

Beste Zutaten

Hier fing alles an: Nobis Printen wurde 1858 an der Aachener Pontstraße gegründet (Aufnahme um 1910).

Die rund hundert Nobis-Bäcker in der Backstube an der Charlottenburger Allee geben Vollgas. Denn auch wenn die Mengen riesig sind, hier wird noch alles in Handarbeit gemacht. Nur beste Zutaten kommen in der Bäckerei auf den Tisch, das ist Firmenchef Michael Nobis wichtig. Gerade werden in den großen Öfen frische Haselnüsse geröstet. Eine Palette Schokolade wartet darauf, eingeschmolzen zu werden. „70 Prozent Kakaogehalt – das schmeckt man später“, sagt Michael Nobis, der in vierter Generation das Familienunternehmen führt. Jeweils knapp eine Tonne davon fließt täglich über einen Teil der Printen – Edelbitter, Vollmilch und weiße Schokolade. Während auf der einen Seite der Backstube der Teig für neue Printen geknetet wird, stechen die Bäcker auf der anderen Seite mithilfe großer Stanzen Printen in verschiedensten Formen aus. Dann geht es ab in den Ofen. Der Geruch ist verlockend, Printen wohin man blickt, und Michael Nobis lässt es sich nicht nehmen, wie bei jedem Besuch der Backstube eine „Qualitätskontrolle“  vorzunehmen. „Mmmm, lecker!“, lautet das zugegebenermaßen nicht ganz überraschende Urteil.

Neben der Produktion stapeln sich die Kisten mit den fertigen Leckereien, die gleich von fleißigen Helfern verpackt werden. Jetzt, zur Hauptsaison, werden rund 60 zusätzliche Arbeiter eingestellt, die beim Sortieren, Eintüten und Kisten packen helfen. „Die Idee, die Printen in Holzkisten zu verpacken, hatten wir bereits Mitte der 50er Jahre und so machte sich heute vor 60 Jahren die erste Export- Holzkiste auf den Weg“, erzählt Michael Nobis. „Eigentlich hatte das praktische Gründe, um das Backwerk mit der Post zu verschicken.“ Heute sei die Holzkiste die Geschenkverpackung schlechthin – muss zum Verschicken allerdings noch einmal in einen Pappkarton, der sie zu Printenfreunden weltweit begleitet. Es gibt keinen Kontinent, auf dem die Aachener Printen keine Liebhaber finden.

Feinste Handarbeit

Im „Printenatelier“ der Backstube haben Renate Dorschu und Konditormeister Ralf Nießen ihren Arbeitsplatz. Beide sind wahre Künstler und verzieren per Hand und sehr aufwendig Printen- Tannenbäume, -Nikoläuse und andere Formen. Sie erfüllen den Kunden jeden Wunsch – vom Firmenlogo bis zum Geburtstagsgruß. Mit ruhiger Hand zeichnen sie feinste Konturen aus Zuckerguss, setzen Perlen auf, dekorieren mit Marzipan – und das den ganzen Tag.

Die Aachener Bäcker lassen sich in jedem Jahr etwas Neues einfallen, um die Printe für ihre Kundschaft noch interessanter zu machen. Doch die klassische Printe ist stets der Verkaufsschlager geblieben. „Wir stellen ein Traditionsprodukt her, das es so schon sehr lange gibt“, erklärt Michael Nobis. „Die Menschen verbinden in dieser schnelllebigen Zeit mit unserem Produkt eine gewisse Beständigkeit. Printen erinnern an Weihnachten, an die Kindheit, wecken nostalgische Gefühle. Im Grunde ist es ein Produkt, das es so, wie Sie es heute kaufen können, auch schon vor 50 Jahren gab. Deshalb haben wir nie einen wirklichen Innovationsdruck. Aber Neues zu probieren, macht trotzdem Spaß und kommt bei vielen gut an.“

Die Printe ist das edelste Gebäck in der Familie der Lebkuchen. Über 50 Prozent Zucker, dazu feine Gewürze und eine Veredelung durch leckere Schokolade, Nüsse oder andere Zutaten. Und wenn sie dann auch noch gut gemacht ist, in Handarbeit und mit viel Liebe, dann gibt es keinen Grund mehr, beim nächsten Stadtbummel nicht in einer der vielen Aachener Bäckereien zuzugreifen – und sie einfach zu genießen.

Schon gewusst?
Die Bezeichnung „Aachener Printen“ ist eine durch die Europäische Union geschützte geografische Angabe (g.g.A.). Aachener Printen müssen im Stadtgebiet Aachen gebacken werden. Die Einhaltung dieser Schutzmarke überwacht der Verein zum Schutz der Herkunftsbezeichnung Aachener Printen.

Einfach köstlich: Printen selber backen

Zutaten: 400 g Zuckerrübensirup, 30 ml Wasser, 85 g Farinzucker, 125 g Kandiszucker, 500 g Mehl, 15 g Orangeat, 5 g Natron, Printengewürze (bestehend aus 10 g Anis, je 5 g Koriander und Zimt – jeweils gemahlen, je 2 g Piment, Nelke, Kardamom und Muskat – jeweils gemahlen), 5 g Pottasche

  1. Zuckerrübensirup mit 20 ml Wasser im Topf erhitzen.
  2. Topf vom Herd nehmen und Farinzucker, Kandiszucker, Mehl, Orangeat, Natron sowie die Printengewürze dazugegeben und verkneten.
  3. Pottasche fein zerstoßen und – im restlichen Wasser aufgelöst – dem Teig beigeben.
  4. Teig mit dem Rollholz ca. 5 mm dick ausrollen, ausstechen und auf ein gefettetes, mit Wasser bespritztes Blech legen.
  5. Printen im vorgeheizten Backofen bei 180°C ca. 18 Minuten backen.

Tipp: Printen vor dem Backen mit Mandeln, Nüssen oder halbierten, kandierten Kirschen veredeln. Alternativ nach dem Auskühlen mit dunkler Schokolade (am besten 70 Prozent Kakaoanteil) überziehen.