Was ist mit Oma Hilde los?

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Lottas Oma Hilde ist plötzlich anders, irgendwie merkwürdig. Beim Mittagessen stellt sie alle paar Minuten die gleiche Frage: „Lotta, wie läuft es denn in der Schule?“ Dabei hat Lotta das schon längst erzählt. Gestern stand sie plötzlich in ihrem Nachthemd auf der Straße. Und letzte Woche, da wollte Oma Hilde ihre Katze statt ihrer Blumen gießen. Was hat sie bloß?

Es gibt einen Grund für Oma Hildes Verhalten: Sie hat Demenz. Der Begriff kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „ohne Verstand“.

Es ist nicht so, dass Oma Hilde auf einmal gar keinen Verstand mehr hätte. Doch aufgrund der Alzheimer-Erkrankung, die zur Demenz führt, sterben langsam ihre Nervenzellen ab. Das Gehirn kann nicht mehr so viel leisten. Oma Hilde wird darum immer vergesslicher und verlernt die einfachsten Dinge.

Am Anfang war alles ganz harmlos: Zuerst wusste Oma Hilde ihre Telefonnummer nicht mehr und hat ständig ihre Brille verlegt. Da dachten alle: Sie ist ja schon alt und deswegen etwas schusselig. Und dann nannte sie  Lotta auf einmal Sophie, so heißt Lottas Cousine. Da war Lotta ganz schön sauer. Wie konnte Oma nur vergessen, wie sie heißt?

Mittlerweile weiß sie, dass Oma Hilde nichts dafür kann. Sie ist sehr krank, die Demenz ist nicht heilbar. Lottas Mama sagt immer, dass Oma Hilde wieder wie ein kleines Kind wird, das bei allem auf Hilfe angewiesen ist: beim Waschen, beim Anziehen und beim Essen. Da sie nicht mehr für sich alleine sorgen kann, wohnt sie jetzt bei Lottas Familie.

So wie Oma Hilde geht es vielen älteren Menschen mit Demenz. In den meisten Fällen ändert sich der Charakter. Waren sie früher fröhlich und selbstständig, sind sie jetzt manchmal aggressiv und hilflos. Was man wissen muss: Sie sind krank und machen das  nicht extra. Auch Lotta musste lernen, es nicht persönlich zu nehmen. Das ist verständlicherweise gar nicht so leicht.

Trotzdem ist Lotta immer freundlich zu ihrer Oma. Wenn Oma Hilde ihr zum sechsten Mal die gleiche Frage stellt, antwortet sie einfach so, als wäre es das erste Mal. Oft singen sie gemeinsam Kinderlieder oder Oma sagt Gedichte auf. Denn an ihre Kindheit und die Schulzeit können sich demente Menschen meist sehr gut erinnern. Ab und zu schauen sie auch alte Fotos an. Das findet Oma Hilde toll. Sie freut sich nämlich immer, wenn sie jemanden von früher wiedererkennt.

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Für Lotta ist klar: Selbst wenn Oma Hilde jetzt anders und manchmal ein bisschen anstrengend ist, verbringt sie gerne Zeit mit ihr. Und Oma Hilde mit Lotta. Denn Nähe, Geduld und Verständnis sind für Menschen mit Demenz besonders wichtig.