Apropos Blut: Roter Lebenssaft

„Blut ist ein ganz besonderer Saft“, wusste schon Mephisto in Goethes Faust. Es erreicht jeden noch so entlegenen Winkel unserer Körpers. Doch was macht es so besonders? Und was kann unser Blut überhaupt?

Dunkelrot ist unser Blut – und lebenswichtig! Würde unser Herz nicht pausenlos die etwa fünf bis sechs Liter Blut durch das Adergeflecht unseres Körpers pumpen, könnten wir nicht leben. Seine Farbe erhält das Blut durch die roten Blutkörperchen. Denn Blut besteht nicht nur aus Flüssigkeit, sondern auch aus festen Bestandteilen.

Woraus besteht Blut?

Vereinfacht gesagt ist Blut eine Mischung aus Wasser, Salzen und Milliarden kleiner Zellen und Teilchen. Der flüssige Bestandteil des Blutes wird als Blutplasma bezeichnet. Die festen Bestandteile bestehen aus verschie-denen Blutzellen, die bei jedem Menschen jeweils dieselben Aufga-ben haben, aber bei jedem Einzelnen unterschiedliche, vererbte Merkmale aufweisen. Zu den Blutzellen gehören rote und weiße Blutkörperchen (Erythrozyten und Leukozyten) sowie Blutplättchen (Thrombozyten). Rund 55 Prozent des Blutes besteht aus Plasma, der Rest sind feste Bestandteile.

Lebenswichtige Aufgaben

Blut ist für den Menschen eine lebensnotwendige Flüssigkeit. Über unseren Blutkreislauf verteilt es sich im ganzen Körper und erfüllt dabei verschiedene wichtige Aufgaben. Es versorgt erstens alle Organe mit Sauerstoff. Das ist die Aufgabe der roten Blutkörperchen. Wenn das Blut die Lunge passiert, nehmen sie ihre hauptsächliche Arbeit auf. Sie trans-portieren den Sauerstoff, den wir mit der Luft einatmen, zu allen Zellen des Körpers. Die Zellen verbrauchen den Sauerstoff, wodurch sie Energie gewinnen. Bei diesem Vorgang entsteht Kohlenstoffdioxid, das von den roten Blutkörperchen wieder abtransportiert werden muss, damit es aus der Lunge ausgeatmet werden kann. Neben dem Sauerstofftransport ist unser Blut auch für die Versorgung der Organe mit Nährstoffen verantwortlich. Beim Darm nimmt es zerkleinerte Nährstoffe auf, die bei der Verdauung unserer Nahrung in Magen und Darm entstehen. Das Blutplasma sorgt dafür, dass diese Nährstoffbausteine zur Weiterverarbeitung zu allen Zellen transportiert werden. Dort angekommen nimmt das Plasma im Austausch Stoffe auf, die von den Zellen nicht mehr benötigt werden. Diese Abfallstoffe werden dann zum Abbau zu Leber und Niere transportiert.

Neben der Versorgung der Organe mit Nährstoffen und Sauerstoff ist das Blut zweitens durch den Transport von Hormonen und Botenstoffen für die Verteilung wichtiger Informationen im Körper zuständig. Ist zum Beispiel der Blutzuckerspiegel zu niedrig, wird signalisiert: Wir brauchen Essen.

Als dritte Aufgabe verteilt Blut Wärme gleichmäßig im Körper. Ist die Durchblutung gestört, merken wir das zum Beispiel an kalten Gliedmaßen. Ein jeder kennt kalte Hände oder Füße, vor allem im Winter. Mit ein wenig Bewegung kann man die Durchblutung wieder ankurbeln und das wärmespendende Blut fließt durch die Gliedmaßen. Andersherum wird auch die Haut rot, wenn wir uns anstrengen. Dann fließt mehr Blut und damit auch mehr Wärme durch die Adern. Blut funktioniert also auch wie eine Art Klimaanlage für den Körper.

Viertens sorgen spezialisierte Zellen im Blut für die Abwehr von Krankheitserregern. Die weißen Blutkörperchen sind Immunzellen und schützen den Körper vor Infektionskrankheiten.

Und nicht zu vergessen ist zuletzt die fünfte Aufgabe unseres Blutes: Es gibt ebenfalls spezialisierte Zellen und Eiweiße im Blut, die für die Blutstillung bei Wunden zuständig sind. Wenn sich ein Mensch verletzt, bringt das Blut die Blutplättchen zu der „Unfallstelle”. Diese lassen das Blut gerinnen und helfen damit, die Wunde zu verschließen.

Während unser Blut also im Blutkreislauf die kilometerlangen Bahnen durch Lunge, Muskeln, Gehirn und alle anderen Organe und Körperzellen zieht, erfüllen die einzelnen Bestandteile ihre jeweiligen, wichtigen Aufgaben. Und da es bislang noch nicht gelungen ist, Blut durch irgendeine andere Flüssigkeit oder einen anderen Stoff zu ersetzen, der all diese Funktionen übernehmen kann, bleibt unser Blut lebenswichtig.


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Was es mit den Blutgruppen auf sich hat

Das Blut eines jeden Menschen besitzt einzigartige Eigenschaften. Der Nachteil: Man kann nicht jedes Blut miteinander vermischen. Daher wird in der Medizin das Blut auf Basis bestimmter wichtiger Merkmale in verschiedene Blutgruppen aufgeteilt. Gerade bei einer Transfusion ist es wichtig, dass das Empfänger- und das Spenderblut kompatibel sind und in den wichtigsten Merkmalen übereinstimmen. Ansonsten kann es zu einer lebensgefährlichen Verklumpung der roten Blutkörperchen kommen, der sogenannten Agglutination.

Das häufigste weltweit benutzte Blutgruppensystem ist das AB0-System. Das System umfasst vier Hauptgruppen: A, B, AB und 0. Im Jahre 1900 entdeckte Karl Landsteiner dieses Blutgruppensystem anhand von Experimenten mit Blut. Er stellte fest, dass sich einige Blutproben beim Vermischen verklumpten. Auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen fand Landsteiner zwei verschiedene Antigene: Antigen A und Antigen B. Nach diesen sind die Gruppen aufgeteilt. Blutgruppe A weist also das Antigen A auf, die Blutgruppe B das Antigen B. Die Gruppe AB besitzt sogar beide Antigene, während die Gruppe 0 keines der Antigene hat. Andererseits bildet jede Blutgruppe natürliche Antikörper gegen die Antigene, die sie selber nicht besitzt. Blutgruppe A bildet Antikörper gegen B (Anti-B), Blutgruppe B gegen A (Anti-A). Blutgruppe AB bildet keine Antikörper, da sich die eigenen Blutkörperchen sonst gegenseitig zerstören würden. Da die Blutgruppe 0 keine Antigene hat, bildet sie die Antikörper Anti-A und Anti-B. Die Antikörper für die Antigene werden in den ersten Lebensjahren gebildet. Bei Transfusionen von nicht kompatiblem Blut kommt es zu einer Antigen-Antikörper-Reaktion auf den roten Blutkörperchen: Die roten Blutkörperchen werden zerstört, das Blut verklumpt.

Ergänzend zum AB0-System kommt das Antigen D, Rhesusfaktor-D genannt, hinzu, das ebenfalls Karl Landsteiner genau 40 Jahre später entdeckt hat. Zusätzlich zu der Blutgruppe wird immer ebenfalls erwähnt, ob jemand Rhesus-positiv oder Rhesus-negativ ist. Im Gegensatz zu Antikörpern im AB0-Blutgruppensystem, die bereits im Blut bestehen, entwickeln sich Antikörper gegen Rhesus-Antigene erst dann, wenn das Immunsystem mit fremden Rhesus-Antigenen in Kontakt kommt. Das kann zum Beispiel bei einer Bluttransfusion oder in einer Schwangerschaft vorkommen. Dann bilden sich große Mengen eines Antikörpers gegen das Antigen D (Anti-D). Bei weiteren Transfusionen von Rhesus-positivem Blut kommt es zur Transfusionsreaktion, die zu einer Zerstörung der übertragenen roten Blutkörperchen und zu einem schweren Schock führen kann.

Um solche lebensbedrohlichen Reaktionen, sowohl im Bereich der Antigene A und B, aber auch des Rhesusfaktors zu vermeiden, ist immer grundlegend wichtig, dass Bluttransfusionen mit dem Empfängerblut kompatibel sind. Sonst ist das Leben gefährdet.


Das Herz ist der Motor des Bluttransports. Unaufhörlich pumpt es den Lebenssaft durch die Blutbahnen. Die Blutgefäße, die vom Herzen wegführen, heißen Arterien (rot). Mit hohem Druck wird das Blut mit jedem Herzschlag in die Arterien hineingepresst. Je weiter die Arterien vom Herzen wegführen, umso mehr verzweigen sie sich. Sie werden zu Arteriolen und schließ-lich zu dünnen Kapillaren. Nach dem Austausch an den Zielorten erweitern sich die Blutgefäße wieder. Sie heißen jetzt Venen (blau) und führen zum Herzen zurück.


Wenn das Blut krank ist

Das eindrucksvolle System des Blutkreislaufs besitzt vielfältige Möglichkeiten, um sich gegen Gefahren zu wehren. Weiße Blutkörperchen bekämpfen Krankheiten und die Blutplättchen können Wunden schließen. Doch manchmal reichen diese Mechanismen nicht aus, um das Leben eines Menschen zu erhalten. Es gibt Krankheiten, bei denen einzelne Teile des Blutes nicht funktionieren.

Bei der Bluterkrankheit (Hämophilie) kann das Blut Wunden nicht verschließen. So besteht bei jeder Verletzung die Gefahr, zu verbluten.

Bei Anämie (Blutarmut) hat das Blut nicht genug rote Blutkörperchen, der Körper erhält also nicht genügend Sauerstoff. Den meisten Blutkranken kann heute durch Medikamente geholfen werden.