Was tun gegen Frühjahrsmüdigkeit?

Endlich werden die Tage wieder länger, die ersten Knospen treiben aus, Frühlingsblüher wie Tulpen oder Narzissen erfreuen uns. Doch während die Natur um uns zu neuem Leben erwacht, sind viele Menschen einfach nur müde und wollen nicht recht in Schwung kommen. Frühjahrsmüdigkeit wird dieses Phänomen gemeinhin genannt. Die ersten warmen Tage im Jahr sorgen bei vielen Menschen für Müdigkeit und Antriebslosigkeit, manchmal sogar für Schwindel und Kreislauf­probleme. Doch woran liegt das?

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„Der Körper braucht etwa vier Wochen, bis er sich an die geänderten Lichtverhältnisse und die Frühjahrstemperaturen gewöhnt hat“, erklärt Prof. Dr. med. Nicole Kuth, Leiterin des Lehrgebiets Allgemeinmedizin an der Uniklinik RWTH Aachen. „Das Aprilwetter mit seinem Wechsel zwischen warm und kalt belastet den Kreislauf – besonders von wetter­fühligen Menschen. Wenn die Temperaturen steigen, weiten sich die Blutgefäße und der Blutdruck sinkt. Dadurch fühlen wir uns müde und schwach.“

Zeitgleich stellt sich der Hormonhaushalt um. Die Bildung der beiden körpereigenen Hormone Serotonin und Melatonin wird maßgeblich über die Lichtverhältnisse gesteuert. Werden die Tage im Frühjahr länger, wird wieder mehr Serotonin gebildet, das für die Aktivierung des Körpers und für gute Stimmung zuständig ist. Gleichzeitig wird die Produktion des Schlafhormons Melatonin gedrosselt. „Bis das Serotonin wieder die Oberhand gewonnen hat, dauert es ein wenig, denn die Konzentration des Melatonins im Blut ist zum Ende des Winters besonders hoch“, sagt die Allgemeinmedizinerin.

Gegen das Wetter ist man zwar machtlos, aber die typischen Beschwerden bei Frühjahrsmüdigkeit lassen sich lindern: Mit frischer Luft, Sonne und Bewegung kann man der inneren Uhr ebenso auf die Sprünge helfen wie mit der richtigen Ernährung.

Tipps gegen Frühjahrsmüdigkeit

Obst und Gemüse versorgt uns mit Vitaminen, Ballaststoffen und Enzymen. (© finecki /Fotolia)

Nach dem Winter sind unsere Vitaminspeicher leer. Das Essen ist rund um die Weihnachtszeit meist vitalstoffärmer und fettiger. Das rächt sich im Frühjahr. Man ist anfällig für Infekte und die saisonale Umstellung wird erschwert. Jetzt hilft nur viel frisches Obst und Gemüse, das uns mit Vitaminen, Ballaststoffen und Enzymen versorgt. Auf den heimischen Feldern wachsen nun Spinat, Salate, Artischocken, Champignons, Möhren, Chicorée und Lauch. Aus dem Süden kommen Ananas, Mango, Bananen, Kiwis und Zitrusfrüchte.

Bewegung an der frischen Luft bringt den Kreislauf in Schwung. (© Halfpoint / Fotolia)

Häufig stehen bei der Frühjahrsmüdigkeit Kreislaufprobleme im Vordergrund. Wer im Winter zum Stubenhocker wurde, muss jetzt raus in die Natur. Bewegung an der frischen Luft bringt den Kreislauf in Schwung – am besten schon bevor die Frühjahrsmüdigkeit zuschlägt. Optimal ist, seinen Lebensrhythmus dem Licht anzupassen. Das heißt: früh aufstehen und früh ins Bett und, sooft es geht, Sonne tanken und den Sauerstoff in den Körper pumpen. Das funktioniert beim Spazierengehen ebenso gut wie beim Sport.

Förderlich für Kreislauf und Immunsystem sind Wechselduschen. (© Lars Zahner / Fotolia)

Ebenfalls förderlich für den Kreislauf und das Immunsystem sind Wechselduschen. Dabei duscht man seinen Körper abwechselnd mit warmem und danach kaltem Wasser ab. Nach drei Wiederholungen endet die Wechseldusche mit kaltem Wasser. Durch dieses Prozedere werden die Gefäße belebt, die Durchblutung der Haut angeregt und der Lymphfluss verbessert. Die Wechselduschen dienen der Abhärtung gegen die Kälte und auch Erkältungskrankheiten wird auf diesem Wege vorgebeugt.

Wer sich im Frühjahr zu nichts motivieren kann, der sollte sich medizinischen Rat holen. Anhaltende Antriebslosigkeit, Gereiztheit, Müdigkeit und Niedergeschlagenheit können ein Hinweis auf tiefer liegende Probleme sein. Möglicherweise liegt eine Blutarmut oder eine bisher unerkannte chronische Erkrankung vor. Oder es macht sich auf diesem Wege eine Depression oder ein chronisches Erschöpfungssyndrom bemerkbar. Sprechen Sie hierzu Ihren Hausarzt an!