Schattenseite der Sonne: Hautkrebs

Die Diagnostik und Therapie des schwarzen Hautkrebs

Die UV-Strahlung der Sonne schädigt die Haut und kann Krebs auslösen. (© Alessandro Grandini – stock.adobe.com)

Das maligne Melanom der Haut, im Volksmund auch „schwarzer Hautkrebs“ genannt, ist eine der bösartigsten Formen von Hautkrebs. Melanome können trotz fehlender Beschwerden und einer relativ geringen Größe bereits frühzeitig Tochtergeschwülste (Metastasen) in Lymphknoten und Organen bilden. Die Klinik für Dermatologie und Allergologie – Hautklinik unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. med. Amir Yazdi ist in die Uniklinik RWTH Aachen als Zentrum der Maximalversorgung eingebettet und verfügt über alle Möglichkeiten der modernen dermatologischen Diagnostik und Therapie. Entscheidend für die Prognose ist eine frühzeitige Entfernung des Tumors, die an der Uniklinik RWTH Aachen von Priv.-Doz. Dr. med. Laurenz Schmitt, Oberarzt in der Klinik für Dermatologie und Allergologie, Sektion Operative Dermatologie, vorgenommen wird. Im Interview mit apropos steht er Rede und Antwort.

Herr Dr. Schmitt, wie häufig kommt der schwarze Hautkrebs vor?
Dr. Schmitt: Deutschlandweit erkranken jährlich mehr als 21.000 Menschen an einem malignen Melanom, die Tendenz ist steigend. Männer und Frauen sind etwa im gleichen Maße betroffen, wobei der Hautkrebs an unterschiedlichen Körper­stellen auftritt. Bei Männern kommt der schwarze Hautkrebs am häufigsten am Rücken, bei Frauen vor allem an den Unterschenkeln vor. Das Risiko, im Laufe des Lebens ein Melanom zu entwickeln, beträgt in Deutschland etwa 1:500. Besonders oft betroffen sind Personen zwischen 45 und 60 Jahren.

Die operative Behandlung von Hauttumoren ist die klassische Domäne der Dermatochirurgie. Priv.-Doz. Dr. med. Laurenz Schmitt, hier mit einer Kollegin, ist Experte auf dem Gebiet.

Warum nimmt die Zahl der Erkrankungen zu?
Dr. Schmitt: Experten führen die steigenden Erkrankungszahlen vor allem auf die Veränderung der Freizeitgewohnheiten zurück. Viele Jahre war eine gebräunte Haut angesagt, ein frischer Teint vermittelt einen gesunden Eindruck. Es gab zahlreiche Aufklärungskampagnen, mit denen bereits einige Erfolge erzielt werden konnten, aber das Ziel ist noch nicht erreicht. Vor allem Eltern müssen wissen, dass eine starke UV-Belastung mit wiederkehrenden Sonnenbränden, vor allem im Kindesalter, das Risiko drastisch erhöht. In einigen Fällen spielt auch die erbliche Veranlagung eine Rolle. Allerdings werden Melanome heute früher erkannt und therapiert als noch vor 20 Jahren.

Stimmt es, dass Menschen mit vielen Muttermalen leichter ein malignes Melanom entwickeln?
Dr. Schmitt: Ja, das kann man definitiv so sagen. Je mehr Muttermale vorhanden sind, desto größer ist das Melanomrisiko. Statistisch gesehen entwickelt sich jedes vierte bis fünfte Melanom aus einem bereits vorhandenen Leberfleck. Darum spielt die Zahl und das Aussehen der Muttermale am Körper eine große Rolle.

Woran erkenne ich, dass ich schwarzen Hautkrebs habe? Merke ich das als Laie überhaupt?
Dr. Schmitt: Der schwarze Hautkrebs ist tückisch, denn die Patienten haben zum Zeitpunkt der Diagnosestellung meistens gar keine Beschwerden. Manchmal führen Juckreiz oder eine kleine Blutung aus dem Tumor zu einem Arztbesuch. Maligne Melanome der Haut können sich in ihrem Aussehen sehr voneinander unterscheiden. Meist handelt es sich um dunkle, braune oder schwarze Flecken. Sie können flach, erhaben, also über die Hautoberfläche hinausgehend, oder knotig sein. Eine besonders heimtückische Art ist das sogenannte amelanotische Melanom, das farblos oder rötlich sein kann und daher oft erst spät erkannt wird.

Was passiert, wenn die Diagnose erst sehr spät gestellt wird?
Dr. Schmitt: Man muss wissen: Im Verhältnis zur Tumor­masse besteht früh ein Risiko zur Metastasierung und damit eine ungünstige Prognose. Das maligne Melanom ist etwa für 90 Prozent der Todesfälle an Hautkrebs verantwortlich. Daher sollte man regelmäßig ein Screening beim Arzt machen.

Apropos Vorsorge: Ab einem Alter von 35 Jahren können gesetzlich Versicherte alle zwei Jahre zur Hautkrebs-Vorsorge (Hautkrebs-Screening) gehen. Dabei betrachtet ein geschulter Arzt oder eine Ärztin Haut und Schleimhäute am gesamten Körper und sucht nach auffälligen Veränderungen. Die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen.
Weitere Informationen: www.krebsinformationsdienst.de

Wie geht es für die Patienten weiter, wenn Sie die Diagnose „schwarzer Hautkrebs“ gestellt haben?
Dr. Schmitt: Bei gesicherter Melanomdiagnose ist die Therapie meist operativ. In der Regel wird – sofern möglich – ein sogenannter Sicherheitsabstand zu den Rändern eingehalten. Bei Patienten mit dünnen Melanomen sind ausgedehnte Eingriffe nicht notwendig und der Eingriff kann in örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Ab einer bestimmten Tumordicke kann es notwendig werden, einen Wächterlymphknoten zu entnehmen, um beurteilen zu können, ob das Melanom sich bereits in die Lymphbahn ausgebreitet hat. Hier arbeiten wir eng mit der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie der Klinik für Plastische Chirurgie an der Uniklinik RWTH Aachen zusammen.

Wann ist eine Strahlen- und/oder Chemo­therapie sinnvoll?
Dr. Schmitt: Zur Behandlung primärer maligner Melanome kommt die Strahlentherapie nur dann zum Einsatz, wenn ein operativer Eingriff unmöglich oder nicht sinnvoll ist. Die lokale Tumorkontrolle ist der chirurgischen zwar unterlegen, bringt in diesen Situationen in Einzelfällen aber trotzdem akzeptable Ergebnisse. Vor allem bei örtlichen Lymphknotenmetastasen wenden wir häufig die Strahlentherapie an. Bei Knochenmetastasen kommt manchmal eine lokale Strahlentherapie in Betracht. Die Chemotherapie ist mittlerweile weitgehend verlassen und durch moderne Immuntherapien sowie zielgerichtete Therapien ersetzt worden. Wir setzen sie daher nur noch in Einzelfällen bei Versagen oder Kontraindikationen gegen die zuvor genannten Therapien ein.

Wie geht es nach der Therapie weiter? Ab wann ist der Patient wieder gesund?
Dr. Schmitt: Der Umfang und die Frequenz der Nachsorgeuntersuchungen orientieren sich ähnlich wie das therapeutische Vorgehen am Tumorstadium. Die Nachsorge ist in den ersten fünf Jahren nach der OP sehr intensiv, da hier 90 Prozent der Metastasen auftreten. Spätmetastasen sind jedoch nicht ungewöhnlich. Daher empfehlen wir generell eine Nachsorge über zehn Jahre. So können wir feststellen, ob der Patient tumorfrei ist oder ob es zu einem Rezidiv kommt. Besonders wichtig ist uns auch die psychosoziale Betreuung unserer Patientinnen und Patienten – schließlich spielt die Psyche eine bedeutsame Rolle beim Genesungsprozess.