Psoriasis: Die Haut als Feind

Es war ein harmloser Sturz in der Drehtür eines Supermarkts, der das Leben von Peter Wohnaut 2009 für immer verändern sollte. Kurz danach brach bei ihm eine seltene Form der Psoriasis (Schuppenflechte) aus, die sogenannte Psoriasis pustulosa generalisata vom Typ Zumbusch. Wie es dazu kommen konnte, hat der 70-Jährige im Gespräch mit apropos geschildert.

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Wer die Geschichte von Peter Wohnaut verstehen will, muss ins Jahr 1960 zurückblicken. Zu diesem Zeitpunkt – als 10-jähriger Junge, der Fußballspielen liebte – erkrankte er an der hochansteckenden akuten Infektionskrankheit Polio, besser bekannt als Kinderlähmung. Der kleine Peter war von der letzten großen Erkrankungswelle mit mehr als 9.000 registrierten Lähmungsfällen in der Bundesrepublik Deutschland betroffen, die daraufhin die große Impfaktion „Schluckimpfung ist süß – Kinderlähmung ist grausam” startete und das Virus hierzulande ausrottete.

Die durch das Virus ausgelösten Spätfolgen konnten viele Betroffene jedoch nicht besiegen. „Man lernt aber, damit zu leben. Das eine Bein macht die Arbeit, das andere ist steif und steht halt still“, fasst Peter Wohnaut seine Gehbehinderung nüchtern zusammen. Aufgrund eben dieser kam es vor elf Jahren zu dem folgenschweren Sturz im Supermarkt. „Der Sturz an sich war nicht so schlimm, ich hatte eine kleine Wunde am Kopf. Aber mein Arzt sagte, ich solle die Tetanusimpfung auffrischen. Und dann ging es los.“

„Ich hatte wirklich Todesangst.“

Denn was Peter Wohnaut zum damaligen Zeitpunkt nicht wusste: In ihm schlummerte die erbliche Auto­immunerkrankung Psoriasis. Wer sie ihm vererbt hat, weiß er nicht. „Schuppenflechte war nie ein Thema in unserer Familie, bis die Krankheit bei mir ausgebrochen ist – vermutlich getriggert durch die Inhaltsstoffe der Tetanusimpfung.“ Ob es tatsächlich die Impfung war, lässt sich im Nachhinein nicht bestätigen, wie Univ.-Prof. Dr. med. Amir Yazdi, Direktor der Klinik für Dermatologie und Allergologie – Hautklinik an der Uniklinik RWTH Aachen, weiß: „Der zeitliche Zusammenhang ist gegeben, aber ob das die Ursache des Krankheitsausbruchs ist, kann derzeit keiner definitiv sagen.“

Lebensbedrohliche Erkrankung

Mit dem Ausbruch der Psoriasis pustulosa generalisata vom Typ Zumbusch begann für Peter Wohnaut ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn diese seltene Form ist die schwerste einer Psoriasis, mit potenziell lebensbedrohlichem Verlauf. Am ganzen Körper bilden sich unvermittelt großflächige Pusteln, die mit nicht infektiösem Eiter gefüllt sind. Hinzu kommt ein schweres Krankheitsgefühl mit Fieber, Schwäche und Abgeschlagenheit, steifen Muskeln und Gelenkschmerzen. Außerdem kann es zu begleitenden Infektionserkrankungen, wie zum Beispiel einer Pneumonie, kommen.

Peter Wohnaut hat schwere Zeiten hinter sich. Dank der medizinischen Hilfe, die er in der Hautklinik der Uniklinik RWTH Aachen erfährt, geht es ihm mittlerweile wieder gut.

„Mit einer ambulanten Behandlung beim Hautarzt ist es da nicht getan. Ich musste sofort ins Krankenhaus. Da wegen meiner Polio der Lymph­abfluss im Bein beeinträchtigt ist, hatte ich wirklich Todesangst.“ Selbst bei 34 Grad Celsius und mit einem Pullover und einer dicken Jacke bekleidet, habe er gefroren. „Mein Körper konnte die Wärme nicht halten. Alles in allem muss ich ein jämmerliches Bild abgegeben haben“, blickt der Stolberger auf die schwere Zeit zurück.

Familie und Humor sind enorm wichtig

Nach einem zweiwöchigen Krankenhausaufenthalt und vier Monaten tagesklinischer Behandlung – Peter Wohnaut ist zu diesem Zeitpunkt bereits im Vorruhestand und finanziell abgesichert – durfte er wieder nach Hause. Es folgten zahlreiche Besuche beim Hautarzt, mit Blick auf die Behandlung mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. „Meine Schwachstelle waren und sind die Leberwerte. Manche Medikamente vertrage ich nicht, dann schnellen die Werte sofort in die Höhe.“ Darum sind regelmäßige Kontrollen der Blut- und Leberwerte ein Muss.

Auch psychisch ist die Situation für ihn belastend. Schließlich juckt und schmerzt diese Hauterkrankung nicht nur, sondern ist auch für jeden erkennbar. Mit großen Augen angestarrt zu werden, gehört also zum Alltag dazu. Ebenso wie die Angst, es könnte wieder so schlimm werden wie 2009. Jeder kleine rote Punkt – damit hat damals alles begonnen – macht Peter Wohnaut nervös.

Und dann, 2019, kam tatsächlich der Rückschlag – wieder musste er ins Krankenhaus, wieder bangte er um sein Leben. Und nicht nur das. Auch die Folgeerscheinungen der Polioinfektion verschlimmerten sich, man spricht von einem sogenannten Postpolio-Syndrom. Einen Bürgersteig kann er nicht mehr ohne Hilfe betreten, der Antrag auf Pflegegrad Stufe II wurde bereits genehmigt.

„Glücklicherweise habe ich eine tolle Frau, die mir in den besonders schweren Zeiten seelischen Beistand geleistet hat und mich im Alltag unterstützt. Und das, obwohl die Angst um mich auch für sie psychisch belastend war. Ohne sie hätte ich das nicht so gut überstanden. Und mein Humor, der hat mir auch immer weitergeholfen. Der macht alles erträglicher.“

„Mein Humor hat mir immer weitergeholfen. Der macht alles erträglicher.“

Auf dem Weg der Besserung

Mittlerweile ist Peter Wohnaut medikamentös gut eingestellt. Alle drei Monate sucht er für zwei Spritzen die Klinik für Dermatologie und Allergologie – Hautklinik an der Uniklinik RWTH Aachen auf, zusätzlich cremt er sich einmal täglich mit einer speziellen Salbe ein. Sein behandelnder Arzt ist Klinikdirektor Prof. Yazdi. Er erklärt: „Dank moderner Systemtherapien können wir Patienten mit Psoriasis neue Therapieziele anbieten. Mithilfe sogenannter Biologika ist unser Ziel, die Psoriasis zu einer nahezu vollständigen Abheilung zu bringen. Dies gelingt bei einer nicht pustulierenden Erkrankung regelmäßig. Bei der pustulierenden Form, wie Herr Wohnaut sie hat, ist eine 80-prozentige Erscheinungsfreiheit der Haut ein toller Erfolg. Das freut mich sehr für ihn.“

Und auch der Patient selbst ist zufrieden. „Das Team der Klinik für Dermatologie der Uniklinik hat mir durch den Zugang zu modernen Medikamenten sehr gut geholfen. Dafür bin ich unheimlich dankbar. Wenn ich heute gefragt werde, wie es mir geht, antworte ich immer ‚hervorragend‘. Wenn alles so bleibt, wie es ist, kann ich damit wunderbar leben.“


Die Psoriasis …
  • … ist eine sogenannte System­erkrankung und hat mit dem körpereigenen Abwehrsystem, dem Immunsystem zu tun.
  • … ist nicht ansteckend.
  • … verläuft meistens in Schüben.
  • … ist chronisch, sie kann nicht geheilt werden. Es gibt jedoch heutzutage sehr gute Behandlungsmöglichkeiten.
  • … kann in verschiedenen Formen auftreten. Die häufigste Form der Schuppenflechte ist die Psoriasis vulgaris, auch Plaque-­Psoriasis genannt.