Pankreatitis: Die schleichende Gefahr

Eine chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung wird oft erst spät erkannt. Ebenso wie die akute Variante kann die Erkrankung lebensbedrohlich werden.

© Siam – stock.adobe.com

Sie ist auf den ersten Blick nicht der Superstar unter den Organen. Eher ein wenig vergessen liegt sie versteckt zwischen Leber, Milz und Magen und verrichtet dort ganz unauffällig ihre wichtige Arbeit: die Bauchspeicheldrüse. Das circa 20 Zentimeter große Organ, auch Pankreas genannt, produziert vor allem Verdauungsenzyme. Bis zu drei Liter Verdauungssekret werden hier täglich gebildet, bestehend aus über 20 verschiedenen Enzymen, die im Darm die Nahrung zerlegen und dafür sorgen, dass die Nährstoffe ins Blut gelangen. In den sogenannten Langerhans-Inseln produziert die Bauchspeicheldrüse zudem das Hormon Insulin, das den Transport von Glukose in die Zellen bewirkt. Die Rolle der Bauchspeicheldrüse ist also eine äußerst wichtige – und wenn sie nicht oder nicht mehr richtig funktioniert, kann das dem Körper schnell zum Verhängnis werden.

Ernsthafte Folgen

Rund 30.000 Menschen in Deutschland erkranken jährlich an der Bauchspeicheldrüse. Neben Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine Entzündung des Pankreas die bekannteste Erkrankung. Vor allem die chronische Variante, die sogenannte Pankreatitis, ist tückisch, da sie oft erst spät erkannt wird. „Die Symptome können so unspezifisch sein, dass sie bei der Diagnosestellung leicht übersehen werden“, erklärt Priv.-Doz. Dr. med. Tom Florian Ulmer, Stellvertretender Klinikdirektor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie an der Uniklinik RWTH Aachen. „Das kann ernsthafte Folgen haben, denn eine chronische Entzündung des kleinen Organs ist schwer zu behandeln.“

Funktionsfähigkeit kann verloren gehen

Die Ursachen für die akute und chronische Pankreatitis sind vielfältig, zum Beispiel Gallensteine, jahrelanger Alkohol- oder Zigarettenkonsum, hohe Fett- oder Kalziumwerte, eine Virusinfektion oder die Einnahme bestimmter Arzneimittel. In rund 15 Prozent der Fälle bleibt die Ursache ungeklärt. Bei der chronischen Variante treten wiederholt Entzündungen auf, die sich vor allem durch Schmerzen bemerkbar machen und sich mit der Zeit verschlimmern können. Wird die Entzündung nicht erkannt, kann die Bauchspeicheldrüse ganz schleichend einen Teil ihrer Funktionsfähigkeit verlieren. Es kommt zu einer endo- und exokrinen Pankreasinsuffizienz. Bei ersterer entsteht oft eine Zuckerkrankheit, der Diabetes mellitus. Die exokrine Pankreasinsuffizienz äußert sich durch eine Gewichtsabnahme und fettigen Stuhlgang.

Gallensteine, jahrelanger Alkohol- oder Zigarettenkonsum, hohe Fett- oder Kalziumwerte, eine Virusinfektion oder Medikamente: Die Ursachen für eine Pankreatitis
sind vielfältig.

Operation nicht ausgeschlossen

Die Symptome können mit Schmerzmitteln und bei Diabetes mit Insulin behandelt werden. Die fehlenden Verdauungsenzyme werden durch entsprechende Präparate ersetzt. „Wenn Komplikationen wie Pseudozysten, also die Bildung flüssigkeitsgefüllter Hohlräume, oder Steinbildungen im Pankreasgang hinzukommen, müssen wir die Patienten operieren“, erklärt Dr. Ulmer. „Leider besteht auch immer die Gefahr, dass sich im Zuge der chronischen Entzündung ein Pankreaskrebs entwickelt.“

Akute Entzündung

Im Gegensatz zur chronischen Variante setzen bei der akuten Bauchspeicheldrüsen­entzündung sehr plötzlich heftige Schmerzen ein, begleitet von Übelkeit und Erbrechen, teilweise mit Fieber und einem Blähbauch. Die häufigste Ursache hierfür sind Gallensteine. Sie können den Gallengang und den Pankreasgang verstopfen, da sie beide zusammen in den Zwölffinger­darm münden. „Unabhängig von der Ursache ist im Akutfall schnelles Handeln gefragt“, sagt Dr. Ulmer. „Auch wenn die Entzündung bei den meisten Menschen bei entsprechender Therapie nach zwei Wochen überstanden ist, kann sie einen kritischen, eventuell lebensbedrohlichen Verlauf nehmen.“ Komplikationen und Folge­erkrankungen können mehrere Monate anhalten.

Die Therapie besteht aus der Zufuhr von ausreichend Flüssigkeit und gegebenenfalls über einen Tropf. „Oft müssen wir den Patienten sehr starke Schmerzmittel geben“, sagt der Arzt. „Bei länger andauernden Beschwerden kann auch eine künstliche Ernährung sinnvoll sein.“ Wenn Gallensteine die Ursache sind, müssen diese natürlich entfernt werden. Um anschließend Rückfälle zu verhindern, wird nach durchgemachter Erkrankung die Gallenblase entfernt.

Wichtig ist: Egal ob akut oder chronisch – die Pankreatitis ist eine ernsthafte Erkrankung. Daher ist es ratsam, bei Bauchschmerzen auch die Bauchspeicheldrüse im Blick zu halten.


Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom)

© mi_viri – stock.adobe.com

Bei bösartigen Erkrankungen wie dem Pankreaskarzinom, das in Deutschland rund drei bis vier Prozent aller Tumorerkrankungen ausmacht, ist die langfristige Heilung nur durch eine komplette chirurgische Entfernung (Resektion) des tumortragenden Organanteils möglich. Sehr häufig liegen Tumoren im Kopfbereich der Bauchspeicheldrüse. Dann werden neben dem Pankreaskopf auch der Zwölffingerdarm, ein Teil des Hauptgallengangs, die Gallenblase und eventuell der untere Teil des Magens entfernt. Die restliche Bauchspeicheldrüse wird, wie auch der verbliebene Teil des Gallengangs, mit dem Dünndarm verbunden. Liegt der Tumor im Korpus- oder Schwanzbereich der Bauchspeicheldrüse, kann dieser inklusive der Milz separat entfernt werden. In vielen Fällen ist diese Operation bereits unter Zuhilfenahme eines Operationsroboters minimal-invasiv (in Schlüssellochtechnik) durchführbar.

Bislang war beim Befall größerer venöser und arterieller Blutgefäße die komplette chirurgische Entfernung eines Tumors ausgeschlossen. Heute gelingt es unter partieller Gefäßresektion häufig selbst in diesen Fällen, den Tumor vollständig zu entfernen.

Chirurgie als palliative Behandlung

In manchen Situationen, beispielsweise beim metastasierten Pankreaskarzinom, kann keine kurative OP mehr erfolgen, das heißt, die Erkrankung ist nicht mehr heilbar. Doch auch in diesen Fällen hat ein chirurgischer Eingriff, zum Beispiel die operative Verbindung von Magen und Dünndarm (Gastroenterostomie) bei einer Verengung des Magenausgangs, einen hohen Stellenwert. Diese Operation kann helfen, Symptome wie Schmerzen zu mildern und die Lebensqualität des Patienten deutlich zu verbessern.

Multidisziplinäre Zusammenarbeit im Pankreaszentrum

In der Uniklinik RWTH Aachen werden die Operationen im Pankreaskrebs­zentrum durchgeführt, das im März 2014 als Kooperation der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie und der Klinik für Gastroenterologie, Stoffwechselerkrankungen und Internistische Intensivmedizin (Medizinische Klinik III) zur Behandlung von Pankreastumoren gegründet wurde. Das Pankreaszentrum arbeitet multidisziplinär mit allen an der Diagnostik, Behandlung und Nachsorge beteiligten Kliniken, Instituten und anderen supportiven Bereichen des Krebszen­trums – Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) Aachen zusammen.