Richtig oder falsch: Schlanke Menschen sind gesünder – Tatsache oder Trugschluss?

Ein gesunder Lebensstil und Abnehmen zählen zu den häufigsten Vorsätzen, die Menschen immer wieder fassen. Doch nicht jede Diät oder Ernährungsform bringt den gewünschten Effekt. Einige Abnehmtipps halten sich dabei hartnäckig. apropos geht diesen und weiteren Behauptungen rund um Ernährung und Körpergewicht näher auf den Grund.

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Der Mensch hat einen Zuckerbedarf.

Jein. Zwar braucht der Mensch zum Atmen, Laufen und Denken den Einfachzucker Glucose, doch es besteht keine Notwendigkeit, Zucker isoliert oder als Zutat in Form von Süßigkeiten oder ähnlichem aufzunehmen. Der Körper ist in der Lage, Glucose selbst herzustellen, indem er sie aus Mehrfachzuckern wie in Stärke aufspaltet, die etwa in Vollkornbrot, Nudeln, Gemüse oder Hülsenfrüchten enthalten ist.

Wer viel Obst isst, nimmt ab.

Jein. Wer abnehmen möchte, soll sich ausgewogen ernähren. Und was könnte da neben Gemüse gesünder sein als Obst? Es ist immerhin reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen. Doch Vorsicht: Obst hat deutlich mehr Kalorien als Gemüse und enthält reichlich Fruchtzucker. Ein gänzlicher Verzicht auf Bananen, Äpfel und Co. ist nicht notwendig – man sollte allerdings in Maßen genießen und zwei Portionen (Handmaß) am Tag verzehren.

Kohlenhydrate sind ungesund und schlecht für die Figur.

Falsch. Dieses Vorurteil hat sich hartnäckig in den Köpfen verankert. Viele glauben, dass Kohlenhydrate per se ungesund sind, und sprechen sich dafür aus, am besten ganz auf kohlenhydratreiche Lebensmittel zu verzichten. Doch empfehlenswert ist der Verzicht auf Kohlenhydrate nicht. Denn grundsätzlich sind Kohlenhydrate gesund, und für viele unserer Körperfunktionen wichtig. So funktionieren etwa Gehirn und Darm reibungslos, wenn dem Körper komplexe Kohlenhydrate ausreichend zugeführt werden. Wichtig: Es kommt dabei auf die Menge, vor allem aber auf die Qualität der Kohlen­hydrate an.

Man unterscheidet zwischen gesundheitsfördernden, sogenannten komplexen und einfachen Kohlenhydraten. Der Vorteil der komplexen Kohlenhydrate, die unter anderem in Vollkornprodukten, Naturreis, Bohnen, Linsen oder Süßkartoffeln enthalten sind: Die Verdauung dauert bedeutend länger, die Energie steht dem Körper somit länger zur Verfügung und man bleibt dadurch länger satt. Zudem haben diese Lebensmittel einen hohen Vitamin-, Ballast- und Mineralstoffgehalt. Demgegenüber stehen die einfachen Kohlenhydrate, beispielsweise in Süßspeisen, Kuchen und Weizenprodukten, die hauptsächlich aus Einfach- (Traubenzucker, Fruchtzucker) oder Zweifachzuckern (Kristallzucker, Milchzucker) bestehen. Diese erhöhen schnell den Blutzuckerspiegel und sorgen dafür, dass der Insulinspiegel steigt. Die Folge: Das Sättigungsgefühl hält nur kurz an.

Schlankere Menschen sind gesünder.

Falsch. Die Annahme, dass Dünne weniger anfällig für Krankheiten und somit gesünder sind als Dicke, ist immer noch weit verbreitet. So stehen Übergewichtige unter dem Verdacht, an zu hohem Blutdruck und schlechten Cholesterinwerten zu leiden – doch das ist pauschal so nicht richtig. So können auch Menschen, die zwar nach Body Mass Index (BMI) als normalgewichtig eingestuft sind, innerlich verfettet sein. Bei ihnen sammelt sich das Fett in Körperregionen, die für das Auge unsichtbar sind, beispielsweise in inneren Organen wie der Leber oder dem Herz. Die Folge: Eine Verfettung von Leber und Herz kann zu Diabetes oder Herz-Kreislauf­erkrankungen führen. Schlank bedeutet demnach nicht immer gleich fit und gesund!

Wer viel Sport macht, nimmt viel ab.

Jein. Diese Annahme ist nur bedingt richtig. Natürlich hilft Sport bei der Verbrennung von zusätzlichen Kalorien. Doch wer seine Ernährung nicht umstellt und nicht ausgewogen isst, nimmt auch nicht ab. Für jede Diät gilt: weniger Kalorien zu sich nehmen als man Tag für Tag verbraucht. Aus diesem Grund ist Sport kein Freifahrtschein für grenzenloses Schlemmen oder eine ungesunde Nahrungszusammenstellung – der Großteil einer erfolgreichen Gewichtsabnahme läuft über die Ernährung.

Light-Produkte helfen, Gewicht zu verlieren.

Falsch. Light-Produkte sollen weniger Fett, Zucker oder Energie enthalten – doch das heißt nicht, dass sie weniger Kalorien enthalten. Im Gegenteil: Einige Light-Lebensmittel enthalten sogar mehr Kalorien als die ursprüngliche Version und sind damit wahre Mogelpackungen. So kann beispielsweise ein Light-­Joghurt mit reduziertem Fettgehalt doppelt so viel Zucker enthalten. Zudem verwenden Lebensmittelhersteller anstelle von Zucker andere Süßungsmittel, die eine völlig umgekehrte Wirkung, nämlich Gewichtszunahme, hervorrufen. Diese Süßstoffe können Nebenwirkungen haben und sind vor allem für Kinder nicht zu empfehlen. Insbesondere Light-Softdrinks, die durch die Zugabe von künstlichen Süßstoffen ihre Süße erhalten, sorgen dafür, dass man sich an den süßen Geschmack gewöhnt. Außerdem regen einige Süßstoffe womöglich sogar den Appetit an, weil sie den Insulinspiegel durcheinanderbringen. In der Annahme, bei den leichten Produkten auf der sicheren Seite zu sein, greift man schnell zweimal zu und verputzt im Endeffekt viel mehr Kalorien.

Abends essen macht dick.

Falsch. Der Körper kennt keine Uhrzeit. Für eine Gewichtszunahme oder -abnahme ist die Energie­bilanz entscheidend, also wie viele Kalorien wir über den Tag verteilt zu uns nehmen und wie viel wir verbrennen. Nimmt man mehr Kalorien zu sich, als man am Tag verbraucht, steigt das Gewicht. Dabei spielt die Uhrzeit nur eine untergeordnete Rolle. Das Weglassen der Mahlzeit am Abend lässt die Kilos nicht automatisch purzeln, wenn tagsüber viel gegessen wurde. Dennoch sollte man darauf achten, nicht kurz vor dem Schlafengehen zu viel und Fettiges zu essen. Eine fettige Pizza kann der Körper schlechter verdauen als beispielsweise zwei Vollkornbrotscheiben. Daher lieber eine leichte Abendmahlzeit genießen.