Im Notfall die richtige Nummer

Heftige Magenkrämpfe, stechende Kopfschmerzen, starkes Nasenbluten – und das ausgerechnet am Wochenende oder in der Nacht, wenn die Hausarztpraxis geschlossen hat. Viele Menschen wählen dann den Notruf 112 oder suchen selbst die Notaufnahme auf. Warum das nicht immer die beste Wahl ist und was Sie stattdessen tun sollten, erklärt Priv.-Doz. Dr. med. Jörg Christian Brokmann, Leiter der Zentralen Notaufnahme an der Uniklinik RWTH Aachen.

Notruf
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Das Kind hat sich beim Spielen den Ellbogen gestoßen, die Erkältung hält sich hartnäckig,  der Fuß ist plötzlich geschwollen. Wenn gesundheitliche Beschwerden in der Nacht, am
Wochenende oder an Feiertagen auftreten, fragen sich viele: An wen wende ich mich am  besten? „Wer mit solchen Beschwerden in die Notaufnahme geht, muss manchmal viel Wartezeit mitbringen, weil echte Notfälle immer Vorrang haben“, weiß Dr. Brokmann aus  Erfahrung. Was vielen nicht bekannt ist: Es gibt auch schneller Hilfe. Denn neben dem Notruf 112 für lebensbedrohliche Notfälle gibt es auch eine Nummer für akute Erkrankungen – die 116117 des deutschlandweiten ärztlichen Bereitschaftsdiensts. Doch wer ist wann zuständig?

Wann sollte man den Notarzt rufen?

Grundsätzlich gilt: Bei lebensbedrohlichen Erkrankungen oder Verletzungen sowie in akuten Notfällen und lebensgefährlichen Notlagen sollte man die Notrufnummer
112 wählen. Die Notrufe nehmen geschulte Mitarbeitende, sogenannte Disponenten, entgegen, größtenteils Rettungsassistenten oder Notfallsanitäter. Sie stellen gezielte Fragen
und leiten die Anrufer so durch das Gespräch. Je nach Sachlage entscheiden
die Disponenten dann, ob ein Rettungswagen notwendig ist und ob zusätzlich ein Notarzt hinzugezogen werden muss. Die Disponenten können den Anrufer auch bei lebensrettenden Sofortmaßnahmen telefonisch anleiten. „Wenn eine ohnmächtig aufgefundene Person einen Kreislaufstillstand hat und daher eine Wiederbelebung durchgeführt werden muss, erklären wir der Anruferin oder dem Anrufer Schritt für Schritt, was genau zu tun ist, und leisten Reanimationshilfe über das Telefon“, ergänzt der Mediziner. Klar ist: Wem es schlecht geht und wer leidet, dem muss schnell und
wirksam geholfen werden. „Dabei ist wichtig: Jeder kennt seinen Körper am besten und sollte individuell entscheiden, inwiefern er noch warten kann oder unverzüglich den Notruf
wählen muss. Im Zweifel lieber einmal zu viel als zu wenig“, sagt Dr. Brokmann.

Wann ist der ärztliche Bereitschaftsdienst die richtige Wahl?

Bei weniger schlimmen Beschwerden wie Fieber, akuten Bauchschmerzen oder anhaltendem Brechdurchfall hilft in der Regel der Hausarzt oder die Hausärztin weiter. Wenn Ihre Beschwerden nicht bis zur nächsten Sprechstunde warten können, ist die  Bereitschaftspraxis in Ihrer Nähe die nächste Anlaufstelle oder die Telefonnummer des  ärztlichen Bereitschaftsdiensts 116 117. Über die kostenfreie Rufnummer 116 117 des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes der Kassenärztlichen Vereinigungen erhalten Sie rund um  die Uhr und sieben Tage die Woche ärztlichen Rat zu gesundheitlichen Problemen. Die Arztrufzentrale nimmt Ihr Anliegen auf, leitet Sie an die nächstgelegene Praxis weiter oder schickt bei Bedarf und Notwendigkeit einen Arzt oder eine Ärztin zu Ihnen nach Hause. Der bundesweite Bereitschaftsdienst soll Notärzte entlasten, damit diese sich auf lebensbedrohliche Notfälle konzentrieren können.

Notaufnahme im Krankenhaus: überfüllte Warteräume

Wenn die Hausarztpraxis geschlossen hat, wenden sich viele Patientinnen und Patienten mit ihren Beschwerden an das nächstgelegene Krankenhaus. Das führt zu überfüllten  Notaufnahmen. Seit Jahren ist ein deutlicher Anstieg des Patientenandrangs in den Rettungsstellen zu beobachten. „In der Notaufnahme werden nur Notfälle behandelt. Das bedeutet, dass die wartenden Patienten nicht in der Reihenfolge ihrer Anmeldung an der Rezeption, sondern nach ihrer Dringlichkeit aufgerufen und behandelt werden. Daher müssen sie auch mal mit längeren Wartezeiten rechnen“, macht Dr. Brokmann deutlich.
Um dem Krankenhauspersonal einen leichteren Überblick zu verschaffen und gleichzeitig zur schnellen Hilfe für Notfall-Patienten beizutragen, sollte die Notaufnahme nur bei wirklich
schweren Verletzungen und Krankheiten aufgesucht werden. „Keinesfalls sollte die Notaufnahme genutzt werden, weil man es unter der Woche nicht zum Arzt geschafft hat und sich deswegen am Wochenende durchchecken lassen will“, sagt der Mediziner.
Das heißt: Wer nicht lebensgefährlich verletzt oder erkrankt ist, aber auch keine Möglichkeit sieht, bis zum nächsten Werktag abzuwarten, sollte den ärztlichen Bereitschaftsdienst über die 116 117 kontaktieren.

Notrufnummern mit Bedacht wählen – Missbrauch ist strafbar

Wer eine Notrufnummer bewusst wählt – egal ob Polizei oder Feuerwehr und  Rettungsdienst – ohne dass ein Notfall vorliegt, macht sich strafbar. In diesem Fall kann es
sogar sein, dass derjenige, der den Notruf absichtlich und wissentlich missbraucht hat, mit einer Geldstrafe oder Freiheitsstrafe belangt wird.

Praxis zu – und nu?

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Praxis zu und nu? 116117 oder 112?