Die Rettungskette: Vom Ersthelfer bis zum Operationssaal

Unfall auf der Hauptstraße, ein Radfahrer ist schwer gestürzt. Erste Passanten haben bereits angehalten. Jetzt startet im besten Falle eine Rettungskette, die dem verletzten Radfahrer die optimale Versorgung zukommen lässt. Wichtig dabei: Die Rettungskette ist nur so gut wie ihr schwächstes Glied.

Rettungskette: Vom Ersthelfer bis zum Operationssaal
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So früh wie möglich müssen Ersthelfer Sofortmaßnahmen am Unfallort treffen. Gefragt sind  Begleiter der betroffenen Personen, Passanten, Anwohner – eben all die, die als erstes  am Unfallort sind. Diese Ersthelfer spielen eine enorm wichtige Rolle und  entscheiden mit, ob und wie ein Patient einen Unfall überlebt. „Wenn die frühen Maßnahmen ausbleiben, wird die Arbeit für den Notarzt leider deutlich erschwert“, weiß Priv.-Doz. Dr. med. Jörg Christian Brokmann, Leiter der Zentralen Notaufnahme an der Uniklinik RWTH Aachen. „Daher ist es wichtig und verpflichtend, dass man bei einem  Notfall hilft. Der einzige mögliche Fehler ist nichts zu tun.“ Im Straßenverkehr gilt es  beispielsweise, die Unfallstelle zu sichern, die Betroffenen und sich selbst aus der
Gefahrensituation zu holen, Wunden zu versorgen und Bewusstlose in die stabile Seitenlage zu bringen. Bei fehlender Atmung muss man sofort mit einer Herz-Lungen-Wiederbelebung
starten. Ganz wichtig in dieser Phase: einen Notruf unter 112 absetzen!

Einsatz der Profiretter

Mit dem Anruf beim Rettungsdienst ist das nächste Glied der Rettungskette alarmiert. Die  Profis in der Notrufzentrale fragen konkrete Punkte ab, um sich einen ersten Überblick zu
verschaffen. Diese Informationen sind wichtig, damit das richtige Einsatzteam möglichst schnell zum Unfallort kommen kann.

Jede Minute zählt

Sofort wird ein Rettungswagen, der Notarzt oder ein Rettungshubschrauber zum Unfallort geschickt. „In der Regel braucht der Rettungswagen in Aachen rund sechs Minuten, bis er an einem Unfallort ist“, erklärt Dr. Brokmann, der selbst lange Jahre Leiter des Aachener Rettungsdienstes war. „Außerhalb der Stadt sind die Zeiten länger. Ziel
ist es da, immer unter zwölf Minuten zu bleiben.“ Gerade bei Herzinfarkten und Schlaganfällen, aber auch bei schweren Verletzungen ist jede Minute entscheidend. Der  Hubschrauber ist meist noch schneller und wird immer dann eingesetzt, wenn der Unfallort
schlecht zu erreichen ist, weit entfernt ist oder der Transport in eine entfernte Klinik schnell gehen muss. Parallel dazu können die Ersthelfer vor Ort bereits weitere Maßnahmen starten. Das heißt, die Betroffenen weiter betreuen, ihnen gut zureden, ihre Lagerung verbessern, weitere Wunden versorgen und dafür sorgen, dass die Verletzten nicht auskühlen.

Telenotarzt gewinnt an Bedeutung

Mit dem Eintreffen des Rettungsdienstes übernehmen die Experten die Versorgung des  Patienten. An Bord des Rettungshubschraubers ist immer auch ein Notarzt.
Die Rettungswagen sind meist mit Notfallsanitätern besetzt, der Notarzt wird im Bedarfsfall hinzugezogen. „Mittlerweile spielt auch der Telenotarzt eine große Rolle. Ein Drittel der
Notarzteinsätze kann der Telenotarzt durchführen“, erklärt Dr. Brokmann. Wenn der Patient transportfähig ist, wird der nächste Teil der Rettungskette einbezogen: das Krankenhaus.
Auf dem Weg in die Uniklinik RWTH Aachen werden den Kolleginnen und Kollegen in der Notaufnahme bereits erste Hinweise gegeben, was die Notfallmediziner in der Klinik erwarten können. Im Bedarfsfall werden entsprechende Teams zusammengerufen,
der Schockraum (zum Beispiel bei schweren Traumata) oder die Stroke-Unit (bei Schlaganfällen) vorbereitet oder ein OP-Saal bereit gemacht. Mit dem Eintreffen des Patienten vergeht so keine Vorbereitungszeit mehr. Besonderheit in der Uniklinik RWTH
Aachen: der Hubschrauberlandeplatz.

Hubschrauberlandeplatz der Uniklinik RWTH Aachen
Hubschrauberlandeplatz „Rettende Hand“ der Uniklinik RWTH Aachen

Von ihm aus kann der Patient innerhalb von rund 30 Sekunden über einen Schrägaufzug in  die Notaufnahme gebracht werden. Und das, ohne ihn umbetten zu müssen. Die „rettende Hand“, wie der Landeplatz auch genannt wird, hat dazu beigetragen, die Zeit vom Eintreffen des Hubschraubers bis zur Ankunft in der Notaufnahme um wertvolle Minuten
zu verkürzen – in einem Notfall sind das Welten.

Das Haus der kurzen Wege

Im Schockraum der Uniklinik RWTH Aachen zeigt eine riesige Uhr dem medizinischen  Personal, wie lange der Verletzte schon behandelt wird. Für das Team ein wichtiger Aspekt, an dem sich die Maßnahmen orientieren. „Hier können nun umgehend alle nötigen Maßnahmen zur weiteren Behandlung eines Patienten getroffen werden“, sagt Dr. Brokmann. Die kurzen Wege in der Uniklinik spielen den Ärztinnen und Ärzten zudem in die Karten. Gleich neben der Notaufnahme befinden sich Röntgen-, CT-, und MRT-Geräte sowie der Not-OP. Auch alle Expertinnen und Experten des Hauses sind in wenigen Momenten verfügbar – beste Voraussetzungen also, dass am Ende der Rettungskette nicht nur ein geretteter, sondern ein optimal betreuter Patient steht.